Sabine Rennefanz
Foto: Ostkreuz/Maurice Weiss

BerlinDie Dreijährige steht an der Straße in Heringsdorf, Usedom, und zeigt auf den weiß-blauen Miniatur-Bus, der ihr entgegenkommt. „Mama, darf ich den Kindern darin zuwinken?“, fragt sie. Es ist einer dieser kleinen Busse, die wie eine alte Dampflok aussehen, aber auf Rädern fahren. Er sieht wie ein Spielzeugzug aus. Das Kind freut sich und winkt. Als der Wagen vorbeifährt, sitzen darin nur weißhaarige, ältere Frauen und Männer, dicht an dicht, und alle tragen Maske. Keiner winkt zurück. 

Man sieht auch sonst nicht viele Kinder in den Orten, an einem sonnigen Wochenende sind kaum mehr als zwanzig am Strand. Auf dem Spielplatz stehen fünf Erwachsene um ein Kleinkind herum und gucken, wie es auf einer Nestschaukel sitzt. Auf einem anderen Spielplatz, der inzwischen Aktiv-Pfad heißt, turnen Grauhaarige. In den Eiscafés löffeln ausschließlich Rentner ihre Schwedenbecher. Wenn man mit Kleinkindern ein Restaurant betritt, wird man sofort beäugt, halb erstaunt, halb gerührt. Es ist wie eine Reise in die Zukunft. In die Rentnerrepublik Deutschland.

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