Die „MeToo“-Debatte über sexuelle Belästigung hat die Deutschen aufgeschreckt. Eine repräsentative Umfrage des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Die überwiegende Mehrheit bewertet den offensiven Umgang mit dem Thema als positiv und wünscht sich auch, dass die Debatte im Schulunterricht behandelt wird.

Der „ifo Bildungsbarometer 2018“ wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt und hat in Reaktion auf die Kontroverse, die im vergangenen Jahr begonnen hat, einen Schwerpunkt auf Geschlechtergerechtigkeit gelegt. Der Leiter der Studie Ludger Wößmann, Professor für Bildungsökonomie an der Universität München, ordnete die Ergebnisse ein: „Insgesamt möchte unsere Gesellschaft, dass wir diese Debatte führen.“

Frauen nehmen Debatte ernster als Männer

In Bezug auf die grundsätzliche Einschätzung der Debatte gibt es nur geringe Unterschiede zwischen Männern und Frauen. In den Details zeigen sich allerdings Differenzen. So halten 45 Prozent der Frauen sexuelle Belästigung für ein ernsthaftes, davon knapp die Hälfte für ein sehr ernsthaftes Problem. Bei den Männern sind es nur 30 Prozent – als „sehr ernsthaft“ schätzt das Problem nur knapp jeder Dritte davon ein.

Dessen unbenommen sind sich Männer und Frauen mehrheitlich einig, dass das Problem an der Wurzel angegangen werden soll. Egal ob es um die grundsätzliche Gleichstellung von Mann und Frau geht oder um härtere Themen wie Machtmissbrauch und Gewalt von Männern gegenüber Frauen bis hin zur sexuellen Belästigung: Bei beiden Geschlechtern sind etwa drei Viertel der Befragten dafür, geschlechtersensible Themen schon an Grundschulen zu behandeln. Etwa zwei von drei Deutschen sind auch dafür, dass Kindergärten auf die Vermittlung von hergebrachten Rollenbilder verzichten.

Jugendliche wollte keine Geschlechtertrennung

Auch junge Menschen schätzen den Wert der Debatte als hoch ein. Erstmals hat das Ifo auch 1000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren befragt. Mädchen und Jungen sind ähnlich offen für die Behandlung von geschlechtersensiblen Themen in ihrem Schulunterricht wie die Erwachsenen, wobei die Zustimmung unter den Mädchen am höchsten ist.

Ähnlich wie die Erwachsenen haben die Jugendlichen jedoch wenig Lust auf Geschlechtertrennung in der Schule. Die meisten Erwachsenen lehnen die Idee von mehr reinen Mädchen- und Jungenschulen ab. Die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren wurden dazu nicht befragt; zwei von drei möchten aber nicht mal getrennten Mathe- oder Sprachunterricht. Das ist konsequent: Der Bildungsmonitor zeigt, dass eine Ungleichbehandlung von Jungen und Mädchen im Unterricht nur für wenige Jugendliche ein Thema ist. Etwas anders sieht es in Bezug auf den Sportunterricht aus: Etwas mehr als die Hälfte der Mädchen und knapp die Hälfte der Jungen kann der Geschlechtertrennung in diesem speziellen Fach etwas abgewinnen.

Parallel dazu glauben auch die Erwachsenen mehrheitlich nicht, dass Mädchen und Jungen in der Schule ungleich behandelt werden. Etwas anders fallen die Einschätzungen in Bezug auf das große Konkurrenzfeld ihrer eigenen Altersgruppe aus: der Arbeitsmarkt. Etwa zwei Drittel der befragten Frauen sind der Ansicht, dass Männer hier bevorzugt werden. Und die Männer? Sehen das ähnlich – wenn auch nur knapp zur Hälfte.