Berlin - Wird es für Michael Müller eine zartbittere oder eine extraherbe Woche? An diesem Mittwochabend fällt die Entscheidung. 2500 Mitglieder des SPD-Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf waren aufgerufen, sich für Staatssekretärin Sawsan Chebli oder eben Müller als Wahlkreiskandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr auszusprechen. Zehn Tage lang konnten sie online abstimmen, hatten es in der Hand, dem Regierenden Bürgermeister ein wenig Genugtuung zu verschaffen. Oder ihm eine weitere vernichtende Niederlage zuzufügen. 2500 Sozialdemokraten aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Selten war ein Regierungschef so sehr von der Gunst einer eher kleinen Gruppe aus dem einfachen Parteivolk abhängig. Wie konnte es so weit kommen?

Oberflächlich betrachtet steht Michael Müller momentan ganz oben. Seit Anfang Oktober ist er als Regierender Bürgermeister von Berlin Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz – es ist turnusgemäß 15 Jahre her, dass Klaus Wowereit dieses Amt innehatte. Und noch nie in den vergangenen Jahrzehnten stand dieses Gremium, das keinerlei verfassungsgemäße Legitimität hat, so im Fokus wie zur Zeit der Corona-Pandemie. Fast im Stakkato-Rhythmus treffen sich die 16 Regierungschefs und beratschlagen zusammen mit der Bundeskanzlerin an allen Landesparlamenten vorbei, was sie gemeinsam gegen das Virus unternehmen könnten – und tun dann doch nichts gemeinsam. 

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