Der Regierende Bürgermeister Michael Müller wollte nie in den Aufsichtsrat des neuen Flughafens in Schönefeld, und er hatte gute Gründe dafür. Statt Ministerpräsidenten sollten Fachleute das Gremium prägen. Das er nun genau das Gegenteil verkündet, ist ihm nicht als Wankelmut auszulegen, sondern hoch anzurechnen.

Müllers ursprüngliche Idee, die Ministerpräsidenten der beiden Bundesländer und den Verkehrsminister in einer Gesellschafterversammlung über dem Aufsichtsrat zu positionieren, wäre verünftig gewesen, scheiterte aber am Unwillen seiner Kollegen.

Das ist der eigentliche Skandal: Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke ziert sich seit seinem Amtsantritt, in einer wichtigen Position Verantwortung für den Bau zu übernehmen. Und Verkehrsminister Alexander Dobrindt glaubt, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben. Beide Drückeberger eint das Bestreben, sich ja nicht mit dem Pannenprojekt zu kontaminieren. Die politische Karriere könnte gefährdet werden.

Müller macht den Wowereit

So wie die von Klaus Wowereit, der zur Zielscheibe aller Häme geworden war, zum unbeliebtesten Politiker Berlins abstieg und letztlich abtreten musste. In gewisser Weise macht Müller jetzt den Wowereit. Er stellt sich an die Spitze der Unternehmens, er zieht das Feuer auf sich, wenn noch irgend etwas schief gehen sollte. Er darf aber auch die Lorbeeren kassieren, wenn alles klappt. Sein Schritt verdient Respekt.