Der Mietendeckel wird die Berliner deutlich entlasten. 
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BerlinBerlins Mieter werden durch den fünfjährigen Mietendeckel nach einer überschlägigen Schätzung in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro entlastet. Das geht aus den Erläuterungen zum Gesetzentwurf über den Mietendeckel aus dem Haus von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hervor, der an diesem Dienstag im Senat beschlossen werden soll. Die Vermieter müssen dem Papier zufolge auf einen Betrag in gleicher Höhe verzichten. Die Landesregierung will sich an diesem Dienstag noch einmal mit dem Mietendeckel befassen, um ihn nach der formellen Beschlussfassung an das Abgeordnetenhaus weiterzuleiten. Dort soll er in den nächsten Wochen beraten und am Ende von einer Mehrheit der Parlamentarier beschlossen werden, um Gesetzeskraft zu erlangen.

Mit der jetzt vorgenommen Schätzung zur Entlastung der Mieter korrigiert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Zahlen nach oben. Noch vor wenigen Wochen hatte sie den Betrag auf rund 2,2 Milliarden Euro angesetzt. Die Schätzung beruht auf den Angaben der städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die ihre voraussichtlichen Einbußen für fünf Jahre auf 296 Millionen Euro beziffert haben, heißt es. Dabei sei ein Zuschlag von 50 Prozent berechnet worden, weil die Auswirkungen bei den anderen Vermietern stärker sein werden. Zu erwarten seien auch Auswirkungen auf Wirtschaftszweige, die im engen sachlichen Zusammenhang mit der Wohnungswirtschaft stehen, räumt die Stadtentwicklungsbehörde ein. Diese Auswirkungen seien aber nicht zu beziffern.

Der Senat beruft sich beim Plan für den Landes-Mietendeckel auf die Föderalismusreform von 2006, nach der die Kompetenz für das Wohnungswesen auf die Länder übergegangen ist. Die Landesregierung sieht darin die Möglichkeit, ein öffentlich-rechtlich ausgestaltetes Mietpreisrecht zu schaffen. Das "Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen im Land Berlin" (MietenWoG Bln) soll die Mieten nicht nur bremsen, es soll sie zugleich auf ein sozialverträgliches Maß zurückführen, „um angemessenen Wohnraum auch für Bevölkerungsschichten mit mittlerem und geringem Einkommen zu bezahlbaren Mietpreisen zu erhalten und zugänglich zu machen und so Verdrängungsprozessen und sozialem Unfrieden entgegenzuwirken", heißt es in der Begründung. Das soll durch eine Kombination von Mietenstopp und Mietobergrenzen erreicht werden.

Das sind die Kernpunkte des Mietendeckels

Mietenstopp: Der Mietendeckel verbietet Vermietern für die Dauer von fünf Jahren, für bestehende Mietverhältnisse eine Miete zu fordern, die über die am 18. Juni 2018 wirksam vereinbarte Miete hinausgeht. Dabei soll der Preisstopp auch für Staffel- und Indexmieten gelten. Erstmals ab 2022 soll es allerdings möglich sein, die gedeckelten Mieten um den Prozentsatz der seit 18. Juni 2019 eingetretenen Inflation anzuheben, höchstens jedoch um 1,3 Prozent. Dass die Mieten für fünf Jahre eingefroren werden, gilt also nur bedingt. Liegt die Miete unter 5,02 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und weist die Wohnung eine moderne Ausstattung auf, darf die Miete bei der Wiedervermietung der Wohnung um einen Euro je Quadratmeter erhöht werden – höchstens jedoch auf 5,02 Euro je Quadratmeter.

Mietobergrenzen: Festgelegt werden Mietobergrenzen, die je nach Bezugsfertigkeit der Wohnung und deren Ausstattung zwischen 3,92 Euro und 9,80 Euro je Quadratmeter liegen. In Gebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen, also in Ein- und Zweifamilienhäusern, erhöht sich die Mietobergrenze um zehn Prozent. Für Wohnraum mit moderner Ausstattung erhöht sich die Mietobergrenze um einen Euro. Eine moderne Ausstattung liegt dem Gesetzentwurf zufolge vor, wenn drei der folgenden fünf Merkmale vorhanden sind:

Kriterien für „moderne Ausstattung“

  • Mietendeckel entlastet Berliner Mieter um 2,5 Milliarden Euro
  • Ein schwellenlos von der Wohnung und vom Hauseingang erreichbarer Aufzug
  • Eine Einbauküche
  • Eine hochwertige Sanitärausstattung
  • Ein hochwertiger Bodenbelag in der überwiegenden Zahl der Wohnräume
  • Ein niedriger Energieverbrauchskennwert

Bei den Mietobergrenzen handelt es sich um gesetzlich bestimmte Miethöchstpreise. Sie basieren auf dem Berliner Mietspiegel 2013. Die Mietobergrenzen spielen bei der Erst- und Wiedervermietung eine Rolle. So darf in diesen Fällen keine Miete gefordert werden, die über die Obergrenzen hinaus geht. In bestehenden Mietverhältnissen darf die Miete nur dann um den Inflationsausgleich angehoben werden, wenn die Obergrenze noch nicht erreicht ist. Außerdem dienen die Obergrenzen als Maßstab für eine Absenkung. So ist vorgesehen, dass Mieter eine Verringerung der Miete verlangen können, wenn ihre Miete die Obergrenze um mehr als 20 Prozent überschreitet. Die Obergrenzen können allerdings zwei Jahre nach Inkrafttreten des Mietendeckels angehoben werden.

Modernisierungen: Modernisierungen sind ohne besonderes Genehmigungsverfahren zulässig, wenn sie dem Klimaschutz oder dem Abbau von Barrieren in der Wohnung dienen und die Miete zugleich um nicht mehr als einen Euro pro Quadratmeter steigt. Hierbei darf allerdings auch die Mietobergrenze um nicht mehr als einen Euro überschritten werden. Solche Modernisierungen müssen jedoch bei der Investitionsbank Berlin (IBB) angezeigt werden.

Härtefallregelung: Um zu verhindern, dass  Vermieter durch die Regelungen dauerhafte finanzielle Verluste erleiden oder ihr Eigentum in der Substanz gefährdet wird, sieht das Gesetz eine Härtefallregelung vor. Danach ist im Einzelfall eine höhere Miete erlaubt. Einkommensschwache Mieter sollen im Gegenzug einen Ausgleich erhalten, den sie jedoch beantragen müssen.

Strafen: Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeiten. Hierbei drohen den Vermietern Geldbußen bis zu 500.000 Euro.

Zuständigkeiten: Für die Modernisierungsmieterhöhung, die Härtefallentscheidung und die Entscheidung über den Mietzuschuss ist die Investitionsbank Berlin zuständig. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung soll für die Kappung überhöhten Mieten verantwortlich sein. Die Bezirksämter überwachen die Einhaltung des Gesetzes. Sie sind insbesondere befugt, Vermietern zu untersagen, eine höhere als die zulässige Miete zu verlangen. Mieter können sich beim Verdacht eines Verstoßes an das  Bezirksamt wenden.

Geltungsbereich: Der Mietendeckel gilt für etwa 1,5 Millionen Mietwohnungen. Er gilt nicht für Sozialwohnungen und für Neubauten, die ab 1. Januar 2014 bezugsfertig geworden sind. Ausgenommen sind ferner unter anderem Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln modernisiert und instandgesetzt wurden und die einer Mietpreisbindung unterliegen.

Rechtssicherheit: Mit dem Mietendeckel beschreitet der Senat juristisches Neuland. Es gibt bisher kein Bundesland, dass die Mieten per Landesgesetz öffentlich-rechtlich begrenzt. Ob dies zulässig ist, ist umstritten. Klagen sind angedroht. Es besteht also die Gefahr, dass Teile des Mietendeckels oder sogar das komplette Gesetzeswerks als verfassungswidrig eingestuft werden. Für die Mieter besteht jedoch die Aussicht, dass sie – sofern die Regelung anerkannt wird – viel Geld sparen.