Jahrelang kaputtgespart, in der Pandemie Mädchen für alles: Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter sollen endlich Verstärkung erhalten.
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BerlinVier Milliarden Euro will der Bund bis 2026 zur Stärkung der 375 deutschen Gesundheitsämter ausgeben. Das verkündeten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Sonnabend nach der Gesundheitsministerkonferenz, die derzeit von Kalayci geleitet wird.

Bis Ende 2022 sollen demnach mindestens 5000 neue und unbefristete Vollzeitstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) geschaffen werden, mindestens 1500 davon schon bis Ende kommenden Jahres. Allein 800 Millionen der vom Bund insgesamt bereitgestellten vier Milliarden Euro sollen außerdem in die Digitalisierung fließen. Das ist auch dringend nötig, denn wie in vielen deutschen Kommunalbehörden ist die Lage auch in den Gesundheitsämtern desolat. Immer wieder hatte es seit Beginn der Corona-Pandemie Berichte über Gesundheitsämter gegeben, die Infektionszahlen nur per Fax verschicken können oder Daten in mühsamer Handarbeit in Excel-Tabellen übertragen müssen. Dabei fällt den medizinischen Behörden bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie die wichtigste Aufgabe zu: das Kontaktieren, Aufspüren und Testen Infizierter und aller engen Kontaktpersonen.

„Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist das Herzstück der Pandemiebekämpfung“, erklärte denn auch Spahn am Sonnabend. Das geplante Paket sei die größte Investition in diesen Bereich seit Gründung der Bundesrepublik. Kalayci sagte: „Kritisch kann man zurückblickend sagen, dass sowohl in den Ländern als auch in den Kommunen, wenn es um Ausstattung von Behörden ging, die Gesundheitsämter in der Prioritätenliste nicht ganz weit oben waren.“ Ziel sei nun, so Spahn, ein „vernetztes System moderner Gesundheitsbehörden in ganz Deutschland“.

An den Gesundheitsämtern wurde vor Beginn der Corona-Krise gerne und viel gespart, auch ein Grund, warum es nun viel Aufholbedarf gibt. Ein Problem ist auch die relative Unattraktivität einer Anstellung im Gesundheitsamts für studierte Ärztinnen und Ärzte – im Krankenhaus oder der eigenen Praxis ist der Verdienst meist deutlich höher. Wie eine parlamentarische Anfrage der AfD erst Ende August ergab, waren allein in Berlin Ende März rund 230 Stellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst unbesetzt. Der Ärzteverband Marburger Bund forderte deshalb auch am Sonnabend, die Arbeits- und Vergütungsbedingungen bundesweit zu verbessern. Sonst drohten die Pläne der Gesundheitsminister eine Luftnummer zu bleiben, sagte die Vorsitzende Susanne Johna.