Harvey Weinstein vor dem Manhattan Supreme Court im Dezember 2018.
Foto: Imago Images/Alec Tabak

Berlin/New YorkDie New Yorker Generalstaatsanwaltschaft hat am Dienstag (Ortszeit) mitgeteilt, dass sich der wegen Sexualverbrechen verurteilte frühere US-Filmproduzent Harvey Weinstein mit Dutzenden von Beschuldigerinnen vorläufig auf einen millionenschweren Vergleich einigen konnte. Wenn der Deal richterlich abgesegnet werde, würde den Frauen jeweils zwischen 7500 und 750.000 US-Dollar zustehen, insgesamt geht es um 18,8 Millionen Dollar, erklärten die Generalstaatsanwältin Letitia James und die Chicagoer Anwältin Elizabeth A. Fegan.

Die Anwälte einiger Beschuldigerinnen hielten den Vergleich jedoch für unzureichend. Es handele sich „um einen kompletten Ausverkauf der Überlebenden von Weinstein“, teilten die Anwälte Douglas H. Wigdor und Kevin Mintzer mit. Der Vorschlag sei „zutiefst unfair“, weil er nicht vorsehe, dass Weinstein Verantwortung übernehme und dafür Geld zahle. Die Einigung schade auch Frauen, die ihr nicht zustimmen wollten. Sie sprachen von einem „unfairen und ungerechten Vorschlag“ und kündigten an, „im Namen unserer Klientinnen vor Gericht entschieden zu widersprechen“.

Anwältin Fegan lobte dagegen den jetzt angestrebten Deal:„Diese Einigung ist der Höhepunkt mehrerer Jahre harter Arbeit von Überlebenden, die nicht nur die MeToo-Bewegung um Weinstein initiierten, sondern auch ihre Plattformen nutzten, um Gerechtigkeit für all jene zu suchen, die aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen in Hollywood Angst hatten, sich zu melden.“

Staatsanwältin James erläuterte, der Deal regele Ansprüche in einem Rechtsstreit des Bundesstaates New York und in einer Sammelklage, die vor einem Bundesgericht anhängig waren. „Nach all den Belästigungen, Drohungen und Diskriminierungen erhalten diese Überlebenden endlich ein wenig Gerechtigkeit“, so James. Dies sei ein „Sieg für jede Frau, die sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Einschüchterung oder Vergeltung von ihrem Arbeitgeber erfahren hat“.

Der frühere Hollywood-Produzent war am 24. Februar schuldig gesprochen worden, eine Frau vergewaltigt und eine andere zum Oralsex gezwungen zu haben. Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs von Dutzenden weiteren Frauen hatten 2017 seine Karriere zerstört und der globalen MeToo-Bewegung Aufschwung verschafft. Die Bewegung fordert, mächtige Männer für ihr sexuelles Fehlverhalten zur Verantwortung zu ziehen. Unter dem Hashtag MeToo hatten viele Frauen in sozialen Medien von ihren Belästigungs- oder Vergewaltigungserfahrungen berichtet.

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