Mimolette ist ein würziger Hartkäse aus Nordfrankreich. Er ist weniger berühmt als der Camembert, Cantal oder Comté, jährlich werden dennoch immerhin 3000 Tonnen umgesetzt. Sein nussähnliches Aroma verdankt er winzigen Löchern in der Kraterrinde. Gebohrt haben sie die Milben, die sich in der harten, nicht essbaren Rinde aufhalten.

Die amerikanische Nahrungsmittelkontrolle FDA rümpft nun trotzdem die Nase und sperrt die Einfuhr des Käses. Der Mimolette sei eine „widerliche, faulige und zersetzte Substanz“, die Allergien bewirken könne und deshalb zum Konsum ungeeignet sei. Seit März lagern 1,5 Tonnen Mimolette beim amerikanischen Zoll; mangels Importerlaubnis müssen sie bald vernichtet werden.

Dem französischen Exporteur Isigny Sainte-Mère droht auf einen Schlag ein Schaden von einigen hunderttausend Euro. Früher hatte die FDA den orangen Rundkäse stets passieren lassen, und so wundert sich Mimolette-Hersteller César-Yves Losfeld denn auch: „Das Reglement hat sich nicht geändert, die FDA legt es bloß strenger aus.“ Plötzlich stören sie ein paar Milben – auf einen Quadratzentimeter Rindenoberfläche kommt nicht einmal einer dieser mikroskopisch kleinen Gliederfüßler.

Über die Gründe für die Kehrtwende der Amerikaner spekulieren die Franzosen jetzt. Wollen sie zu Beginn der Freihandelsverhandlungen mit der EU Druck machen oder ein Verhandlungspfand schaffen? Richtet sich die Mimolette-Ächtung gegen Frankreich, das sich im Vorfeld quergelegt hatte, bis der Kultur- und Medienbereich von den Gesprächen ausgenommen wurde?

Ironischerweise verdankt der Mimolette seine Existenz der Globalisierung. Der merkantilistische Minister Jean-Baptiste Colbert hatte den Käse im 17. Jahrhundert herstellen lassen, als er die Einfuhr der Edamer-Konkurrenz aus Holland unterband. Heutzutage wird französischer Käse bisweilen selbst ein Protektionismus-Opfer. Die Amerikaner verdreifachten zum Beispiel die Einfuhrzölle auf Roquefort oder verboten Rohmilchkäse.

Allerdings gibt es in den USA einige Mimolette-Liebhaber, ihnen fehlt nun etwas auf dem Teller. „Lasst uns den Käse essen, der stinkt“, lautet ein sarkastischer Kommentar in einem Internetaufruf, den schon 3 000 Käseliebhaber unterzeichnet haben. Pariser Blogger klagt ihrerseits, in den USA sei es „einfacher, eine Waffe als Käse zu kaufen“.

Die französischen Hersteller denken bereits darüber nach, die Rinde vor der Ausfuhr in die USA abzuschneiden und durch eine Wachshaut zu ersetzen. Aber Hand aufs Herz: Wäre das noch Mimolette?