Berlin - Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) möchte, dass Schulen und Kitas so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Das erklärte sie am Montag in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Kitas und Schulen wurden zu Recht als Letzte eingeschränkt. Und als Bundesfamilienministerin werde ich weiter darauf dringen, dass sie auch als erste wieder für den Normalbetrieb geöffnet werden, sobald es die Infektionslage zulässt“, sagte sie. Dabei gehe es einerseits darum, Eltern zu helfen, Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. „Es geht aber auch um das Recht der Kinder, ein gutes Bildungsangebot zu bekommen und mit ihren Freunden spielen zu können.“ 

In vielen Einrichtungen gibt es Notbetreuung

In den Berliner Kitas gibt es derzeit eine Notversorgung, die die Träger mit den Eltern selbst regeln sollen. Auch die Schulen sind zumindest offiziell nicht komplett geschlossen. Dort ist lediglich die Präsenzpflicht ausgesetzt. Berlins Schülerinnen und Schüler haben gerade Winterferien, die eigentlich am 3. Januar enden. Der deutschlandweite Lockdown, der auch die Schulen betrifft, dauert mindestens bis zum 10. Januar. Allerdings rechnet derzeit niemand damit, dass die geschlossenen Einrichtungen und Geschäfte danach sofort wieder öffnen.

Auch in den Berliner Schulen stellt man sich eher auf eine längere Zeit des Online-Unterrichts und des Homeschooling ein. So hieß es am Wochenende aus der Senatsschulverwaltung, dass man sich auf alle möglichen Szenarien vorbereitet. Noch ist unklar, ob die Mutation des Virus, wie sie in Großbritannien und Südafrika entdeckt wurde, Auswirkungen auf die Dauer des Lockdowns haben werden. „Eine zu lange Schließung von Kitas und Grundschulen bedeutet generell härtere Auswirkungen für Kinder, die in sozialen Brennpunkten leben“, warnte Giffey.

Über die Ansteckungsgefahr an Schulen und Kitas gibt es ganz unterschiedliche Annahmen, aber bislang nur wenige Studien. Eine umfassende Analyse des Infektionsgeschehens an der Schule, mit der die Kinderklinik der Universität Köln und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) beauftragt wurde, soll erst im Sommer vorliegen. Man werde aber Zwischenergebnisse veröffentlichen, hieß es.

Sind Kitas Infektionstreiber oder nicht?

Anfang Dezember hatte Giffey selbst eine Studie vorgestellt, in der es um Kita-Kinder ging und die gemeinsam vom Familien- und vom Gesundheitsministerium finanziert wird. Danach hatte die Zahl der Corona-Infektionen auch bei kleinen Kindern in Deutschland einen kritischen Wert überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen lag im damals bundesweiten Durchschnitt von 59 pro 100.000 Einwohnern. Dennoch sagte Giffey, dass sich Kinder in der Altersgruppe von null bis fünf Jahren am seltensten mit dem Virus anstecken. Sie bezog sich dabei auf Zahlen aus 7000 der 56.000 Kitas in Deutschland, die regelmäßig Corona-Zahlen meldeten.

Der Charité-Virologe Christian Drosten dagegen hatte vor einigen Tagen auf eine Studie aus Großbritannien hingewiesen, wonach die nachgewiesenen Infektionsraten bei Kindern im gesamten Schulalter über dem Durchschnitt der Bevölkerung lagen.