Der Angeklagte versteckt sich zu Beginn hinter einer Mappe mit aufgeklebten Fotos von Filmszenen des Films „Der Strafverteidiger“.
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Bergisch GladbachDie Aussage eines zentralen Verdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach findet vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Eine entsprechende Entscheidung verkündete die Kammer am Montag, nachdem die Anklage in dem Prozess verlesen worden war. Journalisten mussten den Saal des Kölner Landgerichts verlassen. Den Antrag hatte die Nebenklägerin gestellt, die die Tochter des Angeklagten vertritt – sie will das Mädchen schützen, wenn die vorgeworfenen Taten im Detail erörtert werden. Auch die Aussage der Mutter soll später unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen.

Die Staatsanwaltschaft Köln legt dem gelernten Koch und Hotelfachmann 79 Straftaten zur Last. Er soll unter anderem seine eigene 2017 geborene Tochter missbraucht und Videomaterial der Taten in Chats an Gleichgesinnte verschickt haben. Dabei habe er gezielt Zeiten ausgenutzt, in denen seine Ehefrau nicht zu Hause war. Den Großteil der Taten soll er mit seinem Smartphone dokumentiert haben. Der Angeklagte nahm die Anklage am Montag regungslos zur Kenntnis. Nach Gerichtsangaben half er während der Ermittlungen bei der Identifizierung von Chatpartnern, schwieg allerdings bislang zu den Vorwürfen.

Am Montag sollte sich das ändern: Der Angeklagte kündigte im Anschluss an die Anklageverlesung eine Aussage an. Auf Antrag der Nebenklage schloss die Strafkammer die Öffentlichkeit für die Dauer der Einlassung aus, um die Tochter des Manns sowie ihre Mutter zu schützen. Informationen zu der Aussage seien daher auch im Tagesverlauf nicht zu erwarten, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Deutsche ist für die Ermittler eine zentrale Figur im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach , der sich mittlerweile auf ganz Deutschland erstreckt. Mit Durchsuchungen bei dem Familienvater im Herbst 2019 war der ganze Fall ins Rollen gekommen.

Der Prozessauftakt war vor einer Woche wegen eines Feuers im Kölner Justizgebäude kurzfristig verschoben worden, entsprechend begann der Prozess nun erst am zweiten vorgesehenen Verhandlungstag. Am Mittwoch soll das Verfahren öffentlich fortgeführt werden – geplant ist dann die Vernehmung von Chatpartnern des Angeklagten.