Jetzt hat Deutschland auch eine Art Corona-General. So wie schon Italien, wo die Corona-Impfkampagne im September dem Gebirgsjäger Francesco Paolo Figliuolo anvertraut worden war. Durchaus mit Erfolg, und wahrscheinlich wird die Idee in Deutschland deshalb jetzt kopiert. Carsten Breuer, Generalmajor bei der Bundeswehr, soll den von der neuen Koalition geplanten Corona-Krisenstab leiten.

Das ist vor allem eine organisatorische Aufgabe und insofern wirkt die Idee nicht ganz abwegig, dafür den Logistiker Breuer einzuspannen. Der 56-Jährige führt das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, das unter anderem für die Zusammenarbeit militärischer Kräfte mit zivilen Organisationen in Deutschland zuständig ist. Und es ist auch nicht sein erster Corona-Einsatz.

Trotzdem wird er jetzt erstmal beweisen müssen, dass es sich bei dieser Personalie nicht nur um Propaganda handelt – um ein durchsichtiges Manöver, um verloren gegangenes Vertrauen in das koordinierte und zielführende Handeln einer Regierung im Wechsel wieder herzustellen. Aber das gilt natürlich auch für den ganzen Krisenstab. Bisher sind die Befugnisse des Krisenstabs noch unklar – ebenso, wer ihm angehören soll.

Carsten Breuer wird die Dinge wohl wie gewohnt überlegt angehen, freundlich, ohne Hektik und Alarmstimmung zu verbreiten. So haben wir ihn jedenfalls im vergangenen Jahr kennengelernt, als die Berliner Zeitung ihn in der Julius-Leber-Kaserne in Wedding besuchte, von wo aus unter seinem Kommando der Pandemie-Einsatz von Soldaten im ganzen Land koordiniert wurde. Breuer steht seit drei Jahren an der Spitze des Kommandos mit Sitz in der Weddinger Kaserne, 20.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter gehören dazu, wie auch etwa 10.000 Reservisten.

Carsten Breuer sagte damals, besonders möge er an seiner Arbeit das Überraschende, dass er sich bei der Katastrophenhilfe immer wieder auf neue Situationen einstellen müsse. Neu ist es übrigens nicht, dass ein Militärvertreter einen Corona-Krisenstab leitet. Schon der bisherige Krisenstab der Regierung war durch einen General geführt worden. Dabei handelte es sich um den Generalstabsarzt Hans-Ulrich Holtherm.