Berlin - Diesen Text dürfte es eigentlich nicht geben. Zumindest nicht von mir. Es ist traurig, das im Jahr 2021 schreiben zu müssen. Doch zu vieles spricht noch immer dagegen – vor allem meine Herkunft. Ich komme, für einen Journalisten untypisch, aus einfachen Verhältnissen. Soziologen würden mich als „Arbeiterkind“ vermessen. Der Weg an die Uni und erst recht in die Medienbranche war damit nicht vorgezeichnet. Ich habe mich nie dümmer gefühlt als meine Schulkameraden, Kommilitonen, Arbeitskollegen. Trotzdem weiß ich: Mit meiner Vita bin ich Außenseiter. Bildungserfolg hängt in Deutschland noch immer auf fatale Weise von Status und Einkommen der Eltern ab. Um beides stand es in meiner Familie nicht gut.

Aufgewachsen bin ich im östlichen Zipfel Hessens, ehemaliges Zonenrandgebiet. Meine Eltern haben die Hauptschule besucht. Meine Mutter – eine gelernte Dekorateurin – starb, als ich 16 Jahre alt war. Mein Vater arbeitete in der Pharmaindustrie. Mit Ende 50 verlor er seinen Job in der Produktion und fiel in Hartz IV. Der soziale Absturz am Ende eines langen Arbeitslebens. So zumindest hat er es empfunden. Ich kann seinen Groll auf die SPD und Gerhard Schröder nachvollziehen – auch wenn ich die Agenda-Reformen im Kern für richtig halte.

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