Strand in Scharbeutz.
Foto: Holger Schmale

ScharbeutzSusanne Meetz sitzt entspannt in der Sonne neben ihrem kleinen Strandrestaurant Promenade 1 in Scharbeutz an der Ostsee. Sie grüßt freundlich, servieren darf sie nichts. „Wir warten, dass es endlich wieder losgehen kann“, sagt sie und wiederholt damit, was man dieser Tage an allen Ecken in den Badeorten an der Lübecker Bucht hören kann.

Es ist gerade eine merkwürdige Zwischenzeit. Die ganz strenge Abriegelung der ersten Wochen der Corona-Krise ist aufgehoben. Die Zweitwohnungsbesitzer und Dauercamper dürfen seit Montag wieder ins Land, aber Restaurants und Hotels sind geschlossen und Tagestouristen aus Hamburg und von anderswo müssen auch noch draußen bleiben.

So sind die Strände und Promenaden bis auf ganz wenige Spaziergänger leer und von dem Markenzeichen der Ostseeküste, den Strandkörben, ist auch nichts zu sehen. „Ab Freitag dürfen wir die wieder aufstellen“, sagt Meetz, „aber noch nicht vermieten.“ Das ist eine dieser vielen Ungereimtheiten, die den Umgang mit den Virusproblemen überall begleiten.

Die Sache mit den Strandkörben kann sich Meetz allerdings sehr wohl erklären. Ab 15. Mai müssen Gäste hier wieder Kurtaxe zahlen, und zu den Aufgaben der Strandkorbvermieter gehört es, das zu kontrollieren. „Wir haben uns aber geweigert, das zu machen, wenn wir keine Körbe aufstellen dürfen.“ Und so soll das nun funktionieren? Die Gastwirtin lacht. Aber sie ist sich sicher, dass diese ganzen Auflagen bald ohnehin wegfallen werden.

Der schärfste Konkurrent Schleswig-Holsteins in Sachen Tourismus, Mecklenburg-Vorpommern, hat ja angekündigt, schon vor Pfingsten zum weitgehend normalen Gästebetrieb zurückzukehren. „Da muss Kiel nachziehen.“ Immerhin ist die Kontrollstelle an der Brücke nach Fehmarn, die manche an DDR-Zeiten erinnerte, schon abgebaut worden.

Norddeutsche Gelassenheit

Susanne Meetz strahlt noch die sprichwörtliche norddeutsche Gelassenheit aus, die manche in den vergangenen Wochen hier oben verloren haben. Vor allem im Verhältnis zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist einiges an gut nachbarschaftlichen Gefühlen kaputt gegangen. Die Abgrenzung von Nord nach Süd war schroff, besonders im Speckgürtel um Hamburg, wo die Grenze ansonsten kaum auszumachen ist.

An der Küste sah man aber auch mit Sorge auf die Zahlen: In der Hansestadt gab es 252 Covid-19-Fälle pro 100 000 Einwohner und mehr als 170 Tote, im Kreis Ostholstein 33 Fälle auf 100 000 Einwohner und keinen einzigen Todesfall. Da sollten die Hamburger mit ihrem Virus mal lieber zu Hause bleiben.

Dazu kommt, dass Scharbeutz in den vergangenen Jahren einen wahren Bauboom an Ferienappartements erlebt hat und zudem zu einem Hotspot für feierfreudige Hamburger Tagestouristen geworden ist, darunter auffällig viele Hundebesitzer. Das sind zwar einerseits zahlungskräftige Gäste, die viel Geld in die Kassen der Scharbeutzer Geschäfte und Restaurants spülen. Andererseits gehen sie vielen Einheimischen und langjährigen Gästen auch ganz schön auf die Nerven. Da genossen es viele, den Strand, die Seebrücke und die gute Luft mal wieder für sich zu haben. Aber gleichzeitig ist auch klar, dass der ganze Ort wie alle anderen in der Bucht vom Tourismus lebt, gut lebt.

Schlange vor dem Eissalon

Deshalb soll es nun auch bald und dringend wieder losgehen. Die Gastwirte haben schon in der vergangenen Woche eine große Protestaktion auf dem Platz vor der Seebrücke veranstaltet: Hunderte Stühle hatten sie dort aufgestellt, um auf die Leere in ihren zwangsweise geschlossenen Restaurants aufmerksam zu machen. Das gab eindrucksvolle Bilder, die deutschlandweit in vielen Medien gezeigt wurden. Trotzdem hängt bei der Filiale der Fischrestaurantkette Gosch noch ein Zettel an der geschlossenen Tür: „Bald wieder für Sie auf Kurs. Aber im Moment leider noch ohne Auslauf-Erlaubnis.“

Wahrscheinlich würde sich die Fischbraterei auch noch gar nicht lohnen, so fast ohne Gäste. In den wenigen geöffneten Kleidungsgeschäften in der Fußgängerzone sind kaum Kunden zu sehen. Nur bei Mario, dem italienischen Eissalon, hat sich eine kleine Abstand-Schlange gebildet. Soll man da nun eine Schutzmaske tragen? Auch mit dieser Frage gehen die Holsteiner eher gelassen um. „Wat mutt, dat mutt“, meint einer, aber viele verzichten auf den „Snutenpulli“. Das sollten sie nicht tun, mahnt die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer ihre Bürger in einem freundlichen Brief. Snutenpulli. So kann man den Nase-Mundschutz also auch nennen. Ganz offiziell, in Scharbeutz an der Ostsee.