Gerhard Trabert ist offenbar von der Motivation getrieben, etwas zum Besseren für Menschen zu bewegen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind. Die Linke hat den parteilosen Mediziner, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen jetzt für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen und das ist eine durchaus bemerkenswerte Kandidatur. Aufs Schönste verbinden sich hier Parteiagenda und persönliche Ziele. Gerhard Trabert ist der perfekte Linke-Kandidat.

Es fängt damit an, dass Trabert – ein Obdachlosenarzt aus Mainz – gar nicht damit rechnet, gewählt zu werden, sondern die Kandidatur benutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen und einmal mehr Lobbyarbeit für benachteiligte Menschen zu machen. „Seit Jahrzehnten ist es mein wichtigstes Anliegen, diesen Missstand in die Öffentlichkeit zu tragen und zu versuchen, betroffenen Menschen als Sozialarbeiter und Arzt ein Stück Würde zurückzugeben“, sagt Trabert.

Natürlich werde er nicht zum Staatsoberhaupt gewählt werden, sagt er. „Ich möchte die Kandidatur nutzen, um auf die Armut und soziale Ungerechtigkeit in diesem Land hinzuweisen, und um als Fürsprecher von Menschen aufzutreten, die zu wenig gehört werden. Das zählt doch zu den ureigensten Aufgaben eines Bundespräsidenten“. Da hat er durchaus Schnittmengen mit der Linkspartei, die seine Ziele teilt und ja auch nicht damit rechnet, dass ihr Kandidat echte Chancen gegen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier hätte.

Gerhard Trabert

Gerhard Trabert verrät sein Alter nicht, aber er ist wohl 65 Jahre alt. Er begann auf der Hauptschule, absolvierte Handelsschule, Fachhochschule und Medizinstudium, lehrte als Professor, trägt das Bundesverdienstkreuz und arbeitete in Kliniken und Flüchtlingscamps quasi überall auf dem Erdball.

Bereits bei der Bundestagswahl im September hatte er als parteiloser Kandidat für die Linke in Mainz um ein Direktmandat gekämpft. Für einen Einzug hat es nicht gereicht, aber mit 25.000 Stimmen konnte er immerhin 12,4 Prozent der Stimmen erzielen.

Gerhard Trabert hat vier erwachsene Kinder und sagt über sich, er sei in einem Mainzer Waisenhaus aufgewachsen, „aber als Privilegierter, denn mein Vater arbeitete dort als Erzieher. Meine Kindheit war sehr schön, aber auch mit der Erkenntnis verbunden, dass es anderen Kindern deutlich schlechter geht als mir!“ Das will er verändern.