Modellprojekt in Berlin: Mehr Fahrrad-Polizisten für weniger Fahrradunfälle

Berlin - Mit radelnden Polizeibeamten lassen sich Unfälle in den Städten deutlich reduzieren. Diesen Zusammenhang hat ein Modellprojekt in Berlin-Mitte nach Einschätzung von Verkehrsexperten erfolgreich belegt. „Die Staffel steigert die Verkehrssicherheit, verringert Unfälle und sorgt für mehr regelgerechtes Verhalten, sowohl von Autofahrern als auch von Radfahren“, sagte Siegfried Brockmann vom Versicherungsverband GDV bei der Präsentation der Bilanz nach zwei Jahren.

Brockmann sprach sich dafür aus, ähnliche Kontrollen durch radelnde Polizeibeamte auch in anderen Städten einzuführen. Einige Metropolen wie Köln oder Hamburg haben es mit begrenzten Projekten bereits versucht. Aber nur in Berlin sind die Polizisten auf dem Fahrradsattel von anderen Aufgaben frei gestellt und Sommer wie im Winter im Einsatz.

Zahl der Unfälle verringert

Der Aufwand lohnt sich, wie die Statistik zeigt. Die 15 Männer und fünf Frauen der Berliner Fahrradstaffel sind im Bezirk Mitte unterwegs, den Touristen durch markante Orte wie den Potsdamer Platz oder das Brandenburger Tor und die Straße Unter den Linden kennen. Dort gingen die Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern in den 24 Monaten um fast acht Prozent zurück. Im Berliner Bezirk Neukölln, den Wissenschaftler im Auftrag des GDV ebenfalls untersuchten, sanken sie ohne Fahrradstaffel nur leicht um knapp zwei Prozent. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Unfällen, in den Personen schwer zu Schaden kommen. Dies schließt tödliche Zusammenstöße mit ein. In  dem Gebiet der Fahrradpolitzisten  verzeichneten die Statistiker einen Rückgang um 28 Prozent. In Neukölln und damit ohne Fahrradstaffel nahm die Zahl um 30 Prozent zu.

Die Erklärung liegt für Sascha Ziegler, Leiter der Fahrradstaffel Berlin-Mitte, auf der Hand. „Es hat sich herumgesprochen, dass man in unserem Gebiet bei Verkehrsverstößen mit Repressalien rechnen muss.“ Einem Polizisten auf dem Rad können die  Sünder schwerer entwischen als Streifenbeamten im Pkw. Um fast 100 Prozent schossen die festgestellten Ordnungswidrigkeiten von Radfahrern in der Gegend in Berlin-Mitte nach oben. Dabei verhängten die Streifenbeamten in den Autos sogar weniger Bußgelder als zuvor. Dafür schrieben Zieglers Leute umso fleißiger auf. Teuer wird es, wenn die Sünder über Rot die Ampel überqueren, wenn sie am Lenker mit dem Handy spielen oder telefonieren oder wenn sie ohne Bremsen herumsausen, weil sie das schicker finden.

Ermahnung bei kleineren Vergehen

Mit Ermahnungen begnügen sich die Beamten laut Ziegler, wenn jemand auf dem Gehweg fährt oder sein Rad nur kleine Mängel wie eine fehlende Klingel aufweist. Die Berliner Radfahrer genießen zwar bundesweit einen zweifelhaften Ruf und gelten als aggressiv und wenig rücksichtsvoll. Ziegler aber nimmt seine Kundschaft in Schutz. Die gegenseitige Rücksichtnahme habe sich spürbar verbessert. Im Übrigen verstießen auch andere Verkehrsteilnehmer gegen Vorschriften. Zwei Drittel ihrer Bußgelder verhängt die Berliner Fahrradstaffel gegen Kraftfahrer, die also mit Auto oder Motorrad unterwegs sind. Bei denen ist besonders beliebt, beim Abbiegen die Vorfahrt zu missachten oder auf Fahrradwegen zu parken.