Wegen einem antiislamischen Schmähfilm drohen nach dem Freitagsgebet am Mittag in mehreren Ländern weitere Ausschreitungen. Besonders Pakistan ist betroffen; Wie brisant die Lage ist, zeigt die Reaktion der US-Regierung: Auf sieben Sendern in Pakistan läuft ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten (siehe Video).

In dem kurzen und mit Urdu-Untertiteln versehenen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betont, dass die USA mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun haben.

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15:25 Uhr. Demo in Freiburg beginnt

In Freiburg beginnt die erste Demonstration in Deutschland gegen das Anti-Islam-Video. Der von den Behörden nicht genannte Veranstalter hatte 800 Teilnehmer angemeldet. Mehrere hundert Demonstranten sind bereits da. Die Polizei sei „sehr, sehr gut aufgestellt“, kommentierte ein Polizeisprecher die Bereitschaft der Beamten.

Die Stadt hatte den Einsatz von 20 Ordnern verlangt, es gilt ein Vermummungsverbot und mitgeführte Transparente dürfen beim Marsch durch die Innenstadt keine strafbaren Parolen zeigen. Dies wurde von der Polizei zunächst auch kontrolliert.

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14:48 Uhr. Drei Tote in Pakistan

Bei Protesten in Pakistan sind inzwischen mindestens drei Menschen gestorben, Dutzende wurden verletzt. Unter den Toten sind laut AP der Fahrer eines Pakistanischen Fernsehsender und ein Demonstrant, der an seinen Verletzungen starb nachdem er angeschossen wurde. In Karachi wurde ein Polizist von Demonstranten getötet.

Der pakistanische Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, Gesetze gegen die Beleidigung Mohammeds zu erlassen. (dapd)

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14:24 Uhr. Deutsche Regierung erwartet friedliche Proteste

Die Bundesregierung sieht die geplanten Proteste gegen das umstrittene Mohammed-Video in Deutschland gelassen. „Wir gehen davon aus, dass die Demonstrationen friedlich und besonnen verlaufen“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin. Sollte es Provokationen oder Ausschreitungen geben, würden die Sicherheitsbehörden aber mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen. Am Freitag sollte es in Freiburg und Münster die bundesweit ersten Proteste gegen das islamfeindliche Video aus den USA geben, das in der arabischen Welt eine Welle der Gewalt ausgelöst hat. (dpa)

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14:08 Uhr. Frankreich verbietet Demonstrationen

Frankreich hat am Freitag alle Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen verboten. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Auch der größte französische Muslim-Verband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. „Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv“, sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Rundfunksender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.

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13:28 Uhr: Französische Einrichtungen unter Polizeischutz

Nach der Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin umstellen Polizeibeamte und Soldaten in mehreren arabischen Ländern französische Einrichtungen, um Proteste zu verhindern. Alle französischen Schulen bleiben zunächst geschlossen. (dpa)

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13:08 Uhr: Karikaturist warnt Kollegen

Der Karikaturist Klaus Staeck betont in der Diskussion über islamkritische Karikaturen die Verantwortung der Zeichner. Die Kollegen müssten „mit sich ausmachen, ob sie in dieser Situation noch einmal Öl ins Feuer gießen, wenn es schon brennt.“ Das müsse man trotz Satire gut abwägen, sagte der Präsident der Berliner Akademie der Künste am Freitag im Nachrichtensender „Phoenix“.
Staeck wies auch auf die Ehre der Zeichner hin. Diese seien „ja nicht Leute, die in irgendeiner Form aus Lust und Tollerei etwas fabrizieren.“ Zu einem möglichen Aufführungsverbot des islamfeindlichen Films „Unschuld der Muslime“ äußerte sich der Karikaturist kritisch, er sei „generell gegen Verbote in dieser Form“. Er appellierte aber an die Kinobesitzer von Berlin, sich dem Film zu verweigern. (dapd)

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12:34 Uhr: Laien-Katholiken fordern Aufführverbot

Die Laienorganisation "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK) fordert ein Verbot der öffentlichen Aufführung des Mohammed-Schmähvideos. „Im Sinne einer wehrhaften Demokratie und des Schutzes des Gemeinwohls halte ich ein Verbot der öffentlichen Vorführung für richtig und notwendig“, schreibt ZdK-Präsident Alois Glück in einer Kolumne für die Münchner Boulevardzeitung „tz“. Zudem möchte er Fanatiker, die gewalttätig gegen den Mohammed-Schmähfilm demonstrieren, nicht mit dem Islam als Religionsgemeinschaften gleichgesetzt wissen. (dpa)

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12:26 Uhr: Zusammenstöße in Kaschmir

Im indischen Teil Kaschmirs protestieren zahlreiche Menschen. In der Regionalhauptstadt Srinagar kommt es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, berichten indische Medien. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften sorgt dafür, dass sich keine Großkundgebungen formieren können.

Um eine weitere Verbreitung des Mohammed-Films zu verhindern, ließ die Regierung Telefon- und Internetverbindungen im Kaschmir einschränken. In der Hauptstadt Neu Delhi bleibt die US-Botschaft geschlossen. (dpa)

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11:50 Uhr: Anti-muslimische Schmiererei in Göttingen

Zwei Moscheen und die Räume eines islamischen Vereins sind in Göttingen mit Mohammed-Karikaturen beschmiert worden. Als Täter nimmt die Polizei einen 26-Jährigen fest. Der 26-Jährige gibt die Schmierereien zu. (dpa)

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11:09/11:15 Uhr: Polizei riegelt Islamabad ab

Aus Angst vor Unruhen wegen des islamfeindlichen Schmähvideos will die Polizei die pakistanische Hauptstadt Islamabad abriegeln. Die Verkehrspolizei werde die Einfallstraßen in die Stadt nach den Freitagsgebeten sperren, berichtete der staatliche Sender Radio Pakistan auf seiner Homepage. Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zuvor zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt.

Die Proteste fordern mittlerweile den ersten Toten: Der Fahrer eines Fernsehteams stirbt, nachdem Unbekannte auf das Auto schießen. (dpa)

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10:48 Uhr: Straßenschlachten in Pakistan

Aus Wut über die Beleidigung des Propheten Mohammed liefern sich Demonstranten in der pakistanischen Stadt Peshawar Straßenschlachten mit der Polizei und zünden ein Kino an. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein. Mindestens fünf Demonstranten werden dabei verletzt , sagt ein Arzt im größten Hospital der Grenzstadt zu Afghanistan. (rtr)

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8:48 Uhr: Tunesien verbietet Demonstrationen

Das tunesische Innenministerium verbietet für Freitag sämtliche Demonstrationen, die sich gegen den islamfeindlichen Film „Die Unschuld der Muslime“, aber auch gegen die jüngst in Frankreich veröffentlichten Mohammed-Karikaturen richten. Es könne bei den Protesten zu Gewalt und Plünderungen kommen, so die Begründung. (afp)

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8:05 Uhr: Titanic-Chef verteidigt sich

„Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer fürchtet wegen des geplanten Islam-Covers seines Magazins keine Proteste vor den Redaktionsräumen. Sollte es dazu kommen, „dann werde ich in aller Ruhe erklären, wie dieser Titel gemeint ist“, sagte Fischer am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Muslime müssten wie alle anderen Glaubensgruppen auch aushalten, dass Witze über sie gemacht werden.

Das Oktober-Heft der „Titanic“ soll am 28. September erscheinen. Fischer zufolge trägt es die Schlagzeile „Der Westen in Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film“. Das Titelbild soll Bettina Wulff in den Armen eines islamischen Kriegers mit Turban und Schwert zeigen. (dapd)