Kairo/New York - Westliche Botschaften haben sich auf eine erneute Protestwelle in der islamischen Welt nach den (heutigen) Freitagsgebeten vorbereitet. Seit der Veröffentlichung eines den Propheten Mohammed beleidigenden Films vor einer Woche wurde mit der Veröffentlichung das religiöse Empfinden gläubiger Muslime verletzender Karikaturen in Frankreich weiteres Öl ins Feuer gegossen. In den USA setzte eine islamkritische Bloggerin durch, dass sie in New York eine Plakataktion fortsetzen kann, die Muslime mit Wilden gleichsetzt.

Vor den Freitagsgebeten haben Deutschland und andere Länder wegen befürchteter Ausschreitungen wegen des antiislamischen Videos und neuer Mohammed-Karikaturen ihre Botschaften in Alarmbereitschaft versetzt. Überall in der Region seien die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin. Es sei nicht auszuschließen, dass zusätzlich zu den am islamischen Feiertag ohnehin geschlossenen Botschaften weitere deutsche Vertretungen geschlossen blieben. Nach Angaben des Außenministers Guido Westerwelle (FDP) wird auch zusätzlicher Schutz für andere deutsche Einrichtungen geprüft. Wegen der angespannten Sicherheitslage verschob das Innenministerium den Start der Plakataktion der Öffentlichkeitskampagne „Vermisst.“

Tunesische Regierung untersagt Kundgebung

Die tunesische Regierung untersagte alle für Freitag geplanten Protestkundgebungen gegen die im französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ veröffentlichten Mohammed-Karikaturen. Die Behörden hätten Hinweise darauf erhalten, dass einige Gruppen Gewalttaten nach den muslimischen Freitagsgebeten planten, sagte Innenminister Ali Larayedh im Rundfunksender Shems FM. Zuvor waren Aufrufe zu Demonstrationen in sozialen Netzwerken im Internet aufgetaucht. Frankreich hatte bereits am Mittwoch seine Botschaft in der Hauptstadt Tunis sowie zehn französische Schulen im ganzen Land geschlossen.

Am Freitag - für Muslime der arbeitsfreie „Tag der Zusammenkunft“ - werden Massenproteste in der islamischen Welt erwartet. Frankreich kündigte bereits an, rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen zu schließen. So befürchtet Paris, dass nach den in der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlichen Mohammed-Karikaturen französische Einrichtungen Ziel von auch gewalttätigen Protesten werden könnte.

Demos auch in Deutschland

In Deutschland sind am Freitag nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ in mindestens vier Städten Demonstrationen von Muslimen gegen Beleidigungen des Propheten Mohammed geplant. Wie die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, werden alleine in Freiburg etwa 800 Teilnehmer erwartet, weitere Demonstrationen seien in Münster, Dortmund und Karlsruhe geplant.

Bei der Mehrzahl der zu erwartenden Demonstranten soll es sich dem Bericht zufolge um Anhänger der libanesischen Hisbollah-Organisation handeln. Sie folgten einem Aufruf des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah, die Ehre des Propheten zu verteidigen. Im Internet, sowohl in passwortgeschützten Forum als auch auf öffentlich zugänglichen Webseiten, würden das islamfeindliche Mohammed-Video und die französischen Mohammed-Karikaturen hitzig diskutiert, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden der „Welt“.

Titanic plant Islam-Cover

„Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer fürchtet wegen des geplanten Islam-Covers des Satire-Magazins keine Proteste von Muslimen vor den Redaktionsräumen. Sollte es dazu kommen, „dann werde ich in aller Ruhe erklären, wie dieser Titel gemeint ist“, sagte Fischer am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Er kenne viele Muslime als liberale und tolerante Menschen, die auch einmal einen Witz verstünden. „Da habe ich keine Bedenken“, sagte Fischer weiter.

Das Oktober-Heft der „Titanic“ soll am 28. September erscheinen. Fischer zufolge trägt es die Schlagzeile „Der Westen in Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film“. Das Titelbild soll Bettina Wulff in den Armen eines islamischen Kriegers mit Turban und Schwert zeigen. Auf die Frage, ob es sich dabei um eine Mohammed-Darstellung handelt, wich Fischer aus und sagte lediglich, es handele sich um eine Darstellung der Gattin des früheren Bundespräsidenten in einem arabischen Umfeld.
Fischer sagte, Muslime müssten es wie alle anderen Glaubensgruppen auch aushalten können, dass Witze über sie gemacht werden. Sie machten schließlich auch Scherze über andere Religionen. „Da muss man schon mit gleichen Waffen zurückschlagen dürfen“, fügte Fischer hinzu.

Schon mehr als 30 Gewaltopfer

Seit dem Beginn der durch den Schmähfilm ausgelösten Ausschreitungen am 11. September in mehr als 20 Ländern wurden mindestens 30 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner in Libyen.
Mit Blick auf die brisante Sicherheitslage legte das Bundesinnenministerium den Start der Öffentlichkeitskampagne „Vermisst“ auf Eis. Hintergrund sei eine „aktuelle Gefährdungsbewertung des Bundeskriminalamtes“, teilte das Ressort am Donnerstag in Berlin mit. Die Kampagne werde ansonsten planmäßig fortgesetzt.

Warnung vor „unzivilisierten“ Muslimgruppen

In der New Yorker U-Bahn startet in der kommenden Woche eine Plakataktion, in der einige radikale Muslimgruppen als unzivilisierte Wilde bezeichnet werden. Die konservative Bloggerin Pamela Geller erhielt am Donnerstag die gerichtliche Erlaubnis, die Plakate in zehn U-Bahn-Stationen aufzuhängen. Die New Yorker Verkehrsbehörde MTA hatte die Aktion als erniedrigend abgelehnt. In dem Text der Plakate heißt es: „Unterstützt in jedem Krieg zwischen dem zivilisierten Menschen und den Wilden den zivilisierten Menschen. Unterstützt Israel, schlagt den Dschihad.“
Geller kämpfte einst gegen den Bau eines islamisches Zentrums in der Nähe von Ground Zero - dem Standort des bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers. Sie sagte, sie habe nicht die Sorge, dass die Plakate gewalttätige Proteste im Nahen und Mittleren Osten anfachen, die dort nach dem antiislamischen Schmähfilm „Die Unschuld der Muslime“ aufgeflammt sind. Vertreter muslimischer Organisationen bezeichneten die Aktion als Hetzkampagne. Die Plakate waren als bezahlte Werbung zuvor bereits auf Bussen in San Francisco zu sehen.

Schauspielerin klagt gegen Produzenten

Eine Schauspielerin aus dem umstrittenen Mohammed-Film hat in den USA Klage gegen den Produzenten eingereicht. Die Frau wirft diesem vor, sie über den Inhalt des Films getäuscht zu haben. Es sei während des Drehs nie von Mohammed oder einem Religionsbezug die Rede gewesen, argumentiert Cindy Lee Garcia. Sie fordert, dass der Film von der zu Google gehörenden Internet-Plattform YouTube entfernt wird. Ihr Recht auf Privatsphäre sei verletzt worden. Außerdem sei ihr Leben in Gefahr. Der Filmemacher Nakoula Basseley Nakoula habe Garcia glauben lassen, es werde ein gewöhnlicher Abenteuerfilm produziert, hieß es in der Klage. Garcia habe auch keine Hinweise auf sexuelle Inhalte gehabt. Der Film stellt den Propheten Mohammed als Frauenheld dar.

Proteste in Indonesien

Am Donnerstag zwangen Proteste die USA dazu, ihre Konsulate in den indonesischen Städten Makassar und Medan den zweiten Tag in Folge nicht zu öffnen. Die Demonstranten in Makassar zogen auch vor eine Filiale der Fastfood-Kette McDonalds. Im Iran protestierten Studenten vor der französischen Botschaft und skandierten „Tod für Frankreich“ und „Nieder mit den USA“. (rtr, dpa, dapd, afp)