Madrid - Seit mehr als einem Monat berichtet die spanische Presse beinahe täglich über mutmaßlich unsaubere Geschäfte von Iñaki Urdangarin, dem Schwiegersohn von König Juan Carlos. Das Königshaus hielt sich in dieser Affäre bisher auffällig bedeckt. Doch am Montag hat der königliche Verwaltungschef, Rafael Spottorno, die Hofberichterstatter der spanischen Medien zum Gespräch geladen, um außergewöhnliche Maßnahmen anzukündigen: Urdangarin werde in nächster Zeit von allen offiziellen Akten ausgeschlossen, und die Krone werde ab Ende dieses Jahres ihre Ausgaben offenlegen. Mit diesem offensiven Schritt gibt das Königshaus zu verstehen, dass es sich der Tiefe der Krise bewusst ist, in die Urdangarin die spanische Monarchie gestürzt hat.

Juan Carlos, der Enkel des 1931 ins Exil gezwungenen Königs Alfonso XIII., war einst vom Diktator Francisco Franco zu seinem Nachfolger bestimmt worden und hatte nach dessen Tod 1975 den mehr als vier Jahrzehnte verwaisten spanischen Thron bestiegen. Der junge König erwarb sich mit seinem Eintreten für eine verfassungsmäßige Demokratie die Sympathie und den Respekt der Spanier, doch im Laufe der Zeit hat deren monarchistischer Enthusiasmus nachgelassen. Heute muss die Krone ihre Existenzberechtigung mit makellosem Verhalten täglich neu unter Beweis stellen. Auf der bisher recht sauberen Weste der Monarchie ist der Fall Urdangarin ein dunkler Fleck.

Transparenter Königshaushalt

Der 43-jährige ehemalige Handballprofi Urdangarin ist seit 1997 mit der Infantin Cristina, der zweitgeborenen Tochter von König Juan Carlos und Königin Sofìa, verheiratet. Seine Stellung als königlicher Schwiegersohn öffnete ihm viele Türen, die ihm sonst verschlossen geblieben wären. Zwischen 2004 und 2007 organisierte er für die Regionalregierungen der Balearen und Valencias eine Reihe von Kongressen zum Thema Sport und Tourismus, für die er nach Überzeugung eines Untersuchungsrichters in Palma de Mallorca weit überhöhte Rechnungen ausstellen ließ. Der Richter beschuldigt zurzeit vier seiner früheren Kompagnons, sich unrechtmäßig an öffentlichen Geldern bereichert zu haben. Aller Voraussicht nach wird auch Urdangarin selbst demnächst zu den Beschuldigten gehören.

Rafael Spottorno, der Verwaltungschef des Königshauses, sprach am Montag überraschend deutliche Worte über den geschäftstüchtigen Schwiegersohn: Es scheine, dass Urdangarin „ein wenig vorbildhaftes Verhalten“ an den Tag gelegt habe. Auch wenn sich Spottorno zugleich über die Vorverurteilung Urdangarins durch die Medien beklagte, entspricht der Vorwurf an den Schwiegersohn, „wenig vorbildlich“ zu sein, in der diplomatischen Sprache der Monarchie einem gesellschaftlichen Todesurteil. So ist es nicht überraschend, dass der Ehemann der Infantin Cristina vorsorglich von allen öffentlichen Akten der Krone ausgeschlossen wird. Was die künftigen Auftritte der Königstochter selbst angeht, die in die Geschäfte ihres Mannes offenbar nur am Rande verstrickt ist, blieb Spottorno mehrdeutig: Man werde sehen.

Allerdings will es das Königshaus nicht dabei belassen, nur das eine oder andere schwarze Schaf aus der Schusslinie zu nehmen. Der Palast verspricht künftige auch finanzielle Offenheit. Seit Jahren fordern spanische Kritiker der Monarchie einen transparenten Königshaushalt, doch keine Regierung hat sich bisher zu einer Offenlegungspflicht der Ausgaben der Krone durchringen können. Der Staat weist den Monarchen jedes Jahr einen Betrag – im laufenden Jahr sind es 8,43 Millionen Euro – zur freien Verfügung zu. Was sie mit diesem Geld tun, bleibt dem Volk jedoch bislang verborgen. Nun kündigt der königliche Verwaltungschef an, dass der Palast von sich aus zumindest einen Teil der finanziellen Transaktionen offenlege wolle. Ab Ende dieses Jahres solle auf der Homepage des Königshauses das aufgeschlüsselte Budget einsehbar sein, allerdings in Grenzen: Man werde nicht so weit gehen wie das britische Königshaus, das selbst über die Ausgaben für Friseurbesuche Auskunft erteilt.