Madrid - Seit mehr als einem Monat berichtet die spanische Presse beinahe täglich über mutmaßlich unsaubere Geschäfte von Iñaki Urdangarin, dem Schwiegersohn von König Juan Carlos. Das Königshaus hielt sich in dieser Affäre bisher auffällig bedeckt. Doch am Montag hat der königliche Verwaltungschef, Rafael Spottorno, die Hofberichterstatter der spanischen Medien zum Gespräch geladen, um außergewöhnliche Maßnahmen anzukündigen: Urdangarin werde in nächster Zeit von allen offiziellen Akten ausgeschlossen, und die Krone werde ab Ende dieses Jahres ihre Ausgaben offenlegen. Mit diesem offensiven Schritt gibt das Königshaus zu verstehen, dass es sich der Tiefe der Krise bewusst ist, in die Urdangarin die spanische Monarchie gestürzt hat.

Juan Carlos, der Enkel des 1931 ins Exil gezwungenen Königs Alfonso XIII., war einst vom Diktator Francisco Franco zu seinem Nachfolger bestimmt worden und hatte nach dessen Tod 1975 den mehr als vier Jahrzehnte verwaisten spanischen Thron bestiegen. Der junge König erwarb sich mit seinem Eintreten für eine verfassungsmäßige Demokratie die Sympathie und den Respekt der Spanier, doch im Laufe der Zeit hat deren monarchistischer Enthusiasmus nachgelassen. Heute muss die Krone ihre Existenzberechtigung mit makellosem Verhalten täglich neu unter Beweis stellen. Auf der bisher recht sauberen Weste der Monarchie ist der Fall Urdangarin ein dunkler Fleck.

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