Berlin - Ohne übertreiben zu wollen: Von allen 14404 katholischen Priestern in Deutschland dürfte Monsignore Christian Hermes höchstwahrscheinlich genau der sein, den man in der AfD am heftigsten verachtet. Weil es, auch das darf man ohne Übertreibung sagen, umgekehrt ähnlich sein dürfte.

„Es gibt keine verlogenere Bewegung für mich als die AfD“, sagt Hermes, Stadtdekan in Stuttgart. Im März war Landtagswahl in Baden-Württemberg und anders als bei früheren Wahlen üblich sagte der katholische Stadtdekan gerade heraus, wen man als Christ auf gar keinen Fall wählen könne: die AfD.

Hermes, 45 Jahre alt und seit 2011 im Amt, fällt schon lange durch Haltung, klare Sprache und noch klarere Kante auf. Für ihn ist die 2013 gegründete Partei offensichtlich ein schlimmes  Übel, das man auch so benennen sollte.

Kürzlich schrieb er einen Brief an Professor Jörg Meuthen, den AfD-Parteivorsitzenden neben Frauke Petry. Darin nannte er Meuthen den „braven Biedermann der AfD“, der abwegigste und gefährlichste Verrücktheiten von Parteikollegen decke, bagatellisiere und verteidige.

Er verwahrte sich dagegen, dass sich die AfD auf das Christentum berufe, warf ihr Verrat am christlichen Abendland vor und nannte sie einen „Zwilling der Islamisten“, weil sie den Islam auf eine kriegerisch-aggressive Ideologie reduziere.

„Beleidigungen perlen an mir ab“

Das saß. Natürlich kochte es in der AfD.  Auch Meuthen konterte. In der FAZ nannte er alles „blanken Unsinn“, den AfD-Islamisten-Vergleich „pervers“ und weil es eine Facebookseite gibt, auf der Hermes den Brief an Meuthen öffentlich machte, ergoss sich kurz darauf der übliche Shitstorm aus Hass, Beleidigungen und hirnkrankem Geschwafel über den Gottesmann. Er sei der verlogenste Pfarrer in der deutschen Kirche, ein Pfaffe, ein scheinheiliger Vollidiot. Was ihm aber nicht viel ausmacht, weil er nicht nur gezielt austeilen, sondern auch einiges einstecken kann: „Beleidigungen perlen an mir ab“, sagt er.

Für Hermes, da ist er Gottes Krieger, sind katholischer Glaube und AfD absolut nicht vereinbar. Und die AfD selbst ist überflüssig, weil schädlich: „Eine Partei, die unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit Ausländerfeindlichkeit und Hass schürt und für kein einziges Problem eine Lösung hat, ist keine Alternative für unser Land.“ Die AfD mit ihrem völkisch-nationalistischen Vokabular hat nach seiner Einschätzung längst den Kreis der Parteien verlassen, die auf dem Boden der Verfassung stehen. 

„AfD-Spiel“ ärgert ihn am meisten

Was ihn wohl am meisten aufregt - er nennt es das „Spiel“ der AfD: provozieren, verbal zuschlagen und dann, wenn die Aufregung groß ist, hergehen und alles relativieren wollen: War nicht so gemeint, war mal wieder von der „Lügenpresse“ aufgebauscht. So wie bei Beatrix von Storchs und Frauke Petrys „Schießbefehl“ auf Flüchtlinge an der Grenze. „Da wurde die rote Linie überschritten“, sagt Hermes.

Er würde sich wünschen, meinte er kürzlich, wenn sich deutlich mehr Christen gegen die AfD stellten .„Ich finde, dass die Kirche da mutiger sein könnte.“ Es sei einfach „nicht christlich“, was die AfD in der Flüchtlingsfrage vertrete. „Da muss man klar widersprechen.“

Am Wochenende hält die AfD in Stuttgart ihren Bundesparteitag ab. Und am Montag, soviel darf man vermuten, wird Monsignore Christian Hermes drei Kreuzzeichen schlagen, froh sein, dass es erst einmal vorbei ist - und sich dann weiter mit der "verlogenen Bewegung" herumärgern.