Hier wurden die Vergiftungsopfer Sergej Skripal und seine Tochter aufgefunden.
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BerlinRusslands Offizielle dementieren jede Beteiligung ihres Staates an dem Mord in Berlin – wie sie es seit Jahrzehnten bei vergleichbaren Taten in Westeuropa tun. So 2006, als Kremlkritiker Alexander Litwinenko mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Richter Sir Robert Owen stellte fest, der russische Sicherheitsdienst FSB habe Litwinenko ermordet. Ein Tatverdächtiger, der Ex-KGB-Beamte Andrei Lugowoi, wurde 2007 in die Duma gewählt, Putin verlieh ihm einen Orden.

Vergangenen März überlebten der frühere russische Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter im englischen Salisbury einen Mordanschlag mit einem russischen Nervenkampfstoff knapp. Zwei russische Handlungsreisende, die am Tag des Verbrechens an Skripals Wohnort unterwegs waren, wurden später als Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU enttarnt, beide sind in Russland abgetaucht.

Der Tiergartenmord erinnert allerdings mehr an den Tod des tschetschenischen Flüchtlings Umar Israilow. Ihn erschossen Landsleute 2009 in Wien auf offener Straße erschossen. Sieben Tatverdächtige wurden festgenommen, ihre Hintermänner sind bis heute unbekannt.

Auftragsmord vom Russen Kadyrow?

Und wieder stellt sich die Frage, ob einer der russischen Geheimdienste, etwa GRU oder FSB, den Killer Vadim Krasikov, alias Vadim Sokolov, ausgesandt haben. Oder ob es nicht Ramsan Kadyrow gewesen ist, das Haupt der Tschetschenenrepublik. Menschenrechtler halten ihn unter anderem für den Auftraggeber des Attentats auf seinen Ex-Leibwächter Israilow, aber auch zahlreicher Morde in Moskau, unter anderem an Oppositionspolitiker Boris Nemzow 2015.

Nach Angaben deutscher Ermittler reiste Krasikov Ende Juli 2019 mit einem echten Reisepass auf den Namen Sokolov aus. Alle Angaben zu diesem Pass fehlten in der zentralen Datenbank der russischen Einwohnermeldebehörden. Die Vermutung, die Behörden hätten diese Angaben nach Sokolovs Festnahme in Berlin gelöscht, um seine Spuren zu verwischen, liegt nahe. Hätten sie vor seiner Ausreise gefehlt, wäre der Killer bei der Grenzkontrolle aufgeflogen.

Ähnlichkeit zum Fall russischer Vergiftungsmorde

Der Moskauer Menschenrechtler Sergei Dawidis schließt nicht aus, dass Beamte des FSB oder im Einwohnermeldeamt geholfen haben. „Aber das war kaum Korruption, das Opfer war ja kein Geschäftsmann, sondern ein alter Feind Kadyrows“, sagt Dawidis unserer Zeitung. „Wahrscheinlicher ist, dass Moskauer Sicherheitsorgane einen Wunsch Kadyrows erfüllt haben.“

Die Staatsagentur Interfax zitiert unterdessen zwei anonyme Sicherheitsbeamte, die das Berliner Mordopfer als Terroristen bezeichneten. Das erinnert an Putin, der Skripal nach dem Giftstoffanschlag als „Vaterlandsverräter und Abschaum“ beschimpfte. Menschenrechtler Dawidis glaubt, Deutschland solle nun von Russland Kooperation bei der Aufklärung verlangen. „So kann die russische Seite ihre Unschuld doch beweisen.“ Falls Moskau aber keine Beweise liefere, wären Sanktionen die logische Folge.