Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort im Kleinen Tiergarten in Berlin-Moabit.
Foto: Christoph Soeder/dpa

BerlinIn der Hauptstadt steht seit Mittwoch ein Mann vor Gericht, der 2019 in einem Park einen Georgier tschetschenischer Abstammung erschossen haben soll. Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass der russische Staat den Mord in Auftrag gab.

Schon als sie diesen Verdacht äußerte, verschärfte dies die Spannungen im deutsch-russischen Verhältnis und führte zu gegenseitigen Diplomaten-Ausweisungen. Sollte vor Gericht der Beweis erbracht werden, dass ein russischer Geheimdienst hinter dem Mord steckt, dann wäre eine neue Eskalationsstufe gezündet. Die Empörung würde hochschlagen angesichts diverser mutmaßlich russischer Giftmorde im Ausland und dem Anschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und angesichts Putins Großmachtpolitik in der Ukraine und der vom Kreml bezahlten Internet-Trolle, die versuchen, westliche Demokratien zu destabilisieren.

Die Aufregung wäre ziemlich groß. Aber was dann? Diplomaten ausweisen? Schmerzhafte Wirtschaftssanktionen verhängen? Das Ende der Erdgasleitung Nord Stream 2 besiegeln, von der Kritiker zu Recht meinen, dass sich Deutschland und Europa abhängig machen von Russland?

Ein Mord, der von einem anderen Staat auf deutschem Boden veranlasst wurde, kann nicht unbeantwortet bleiben. Doch beim Finden einer passenden Antwort gibt es mehrere Probleme. Gerade die Deutschen sollten sich – nicht nur aus historischen Gründen – zurückhalten mit Kraftmeierei gegenüber Russland. Eine strategische Partnerschaft wäre immer noch das Erstrebenswerte. Zudem schaden Wirtschaftssanktionen auch immer den eigenen Interessen. Deutschland und Russland sind noch immer eng verbunden. Das muss bei der Suche nach einer Antwort in Betracht gezogen werden.