Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und EKD-Chef.
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AugsburgDer Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten, nachdem er die Entsendung eines eigenen Schiffs zur Rettung von Migranten im Mittelmeer angekündigt hatte. „Das war der Fall“, sagte der bayerische Landesbischof der „Augsburger Allgemeine“ (Samstag). „Vor allem im Zusammenhang mit meinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen habe ich recht konkrete Drohungen erhalten.“ Die Morddrohungen gegen ihn nehme er „nicht sehr ernst“.

Mangel an Ethik im Internet

Der bayerische Landesbischof kritisierte in diesem Zusammenhang einen Mangel an Ethik im Internet. Auch für die modernen Technologien müssten „Normen und Regeln“ gelten. Die Morddrohungen gegen ihn nehme er zwar „nicht sehr ernst“, sagte Bedford-Strohm der „Augsburger Allgemeinen“. Es sei aber dennoch wichtig, dass diese konsequent von der Polizei verfolgt würden.

Dies gelte nicht nur für Drohungen gegen ihn persönlich, sondern etwa auch für WDR-Mitarbeiter, die wegen des von einem Kinderchor vorgetragenen satirischen Liedes „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ Drohungen erhielten. „Völlig unabhängig davon, wie man das satirisch gemeinte Lied beurteilen mag, sind die Morddrohungen gegen die WDR-Mitarbeiter in keinem Fall hinnehmbar“, betonte der EKD-Ratsvorsitzende.

Der Kirchenvertreter kritisierte auch ein Fehlen von „Normen und Regeln“ für die modernen Technologien, an die sich die großen Internetkonzerne hielten. „Soziale Netzwerke sind zum Schutzraum für Hetzer geworden, das kann nicht sein“, sagte Bedford-Strohm.

„Menschen, die dort hetzen, bekommen das Gefühl, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig sind.“ Rassistische, antisemitische oder andere diskriminierende Äußerungen ließen sich nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen. „Hass ist keine Meinung“, betonte der Bischof.

Evangelische Kirche will Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken

Bedford-Strohm verteidigte die Pläne der EKD. „Das hat nichts mit politischem Aktivismus zu tun“, sagte er. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe sich das Thema eines europäischen Verteilmechanismus zu eigen gemacht. „Ich unterstütze ihn sehr in seinem Vorhaben, dass er von anderen Ländern entsprechende Zusagen bekommt. Wir dürfen aber nicht tatenlos warten, bis sich Europa geeinigt hat, wir müssen jetzt handeln.“

Die Pläne für das von der Kirche initiierte Aktionsbündnis „United4Rescue“ waren Anfang Dezember vorgestellt worden. Die Initiatoren hatten damals erklärt, dass die Seenotretter von Sea-Watch die Mission möglichst ab Frühjahr 2020 ausführen sollen. Laut früheren Angaben Bedford-Strohms ist geplant, Ende Januar ein Schiff aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein zu kaufen. Man wisse aber noch nicht, wie das Bieterverfahren ausgehe. Es gebe aber einen Plan B, ein anderes Schiff zu besorgen.