Pretoria - Im Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius (27) hat der Angeklagte am sechsten Verhandlungstag heftig auf die Aussage des Pathologen reagiert. Pistorius übergab sich im Gerichtssaal in Pretoria als der Mediziner, Prof. Gert Saayman, am Montag über den Zustand der Erschossenen Reeva Steenkamp berichtete. Der schluchzende Angeklagte wurde von seinem Onkel Carl und seiner Schwester Aimee über die Gerichtsbank hinweg getröstet.

Möglicher Widerspruch zu Pistorius Aussage

Pistorius' damalige Freundin wurde nach Aussagen des Mediziners Saayman in der Nacht zum 14. Februar 2013 von einem Schuss in den Kopf getötet, zwei andere Schüsse trafen demnach ihren Arm und ihre Hüfte. Der Pathologe erklärte zudem, dass Steenkamp etwa zwei Stunden vor ihrem Tod, kurz nach 3 Uhr morgens, zuletzt etwas gegessen habe. Das erschien zunächst als ein Widerspruch zu der Aussage des Angeklagten, die beiden seien gemeinsam gegen 22 Uhr ins Bett gegangen.

Keine Live-Bilder aus dem Gerichtssaal

Richterin Thokozile Masipa hatte zuvor die Live-Übertragung der Aussagen des Pathologen verboten. „Die Würde des Opfers“ erfordere das Ausschalten von Kameras und Mikrofonen, sagte der Pathologe. „Hier geht es nicht um die Pressefreiheit, sondern um die Rechte und die Würde der Toten.“ Auch die Verteidigung des sechsmaligen Paralympics-Siegers Pistorius hat sich strikt gegen eine Übertragung der Aussagen gewandt, die Details über die tödlichen Verletzungen und den körperlichen Zustand des Opfers Reeva Steenkamp enthüllen sollen.

Urteil am 20. März erwartet

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Pistorius des Mordes. Der 27-Jährige sagt, er habe seine Freundin am 14. Februar 2013 irrtümlich durch eine geschlossene Tür erschossen, weil er sie für einen Eindringling im Haus hielt und in Panik gewesen sei.
Das Verfahren wird von mehreren Fernseh- und Radiosendern direkt übertragen. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt verfolgen den spektakulären Prozess. Voraussichtlich am 20. März fällt das Urteil. Pistorius droht im Fall eines Schuldspruchs eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren. (ksta, dpa)