Berlin - Die Gewalt im Fußball hat ein neues Ausmaß erreicht.  Nach dem  Spiel von Hertha BSC gegen  Dynamo Dresden am 26. September  gab es offenbar einen Mordversuch an einem Berliner Hertha-Fan: Unbekannte hätten ihn fast erdrosselt. Wie erst am Freitag bekannt wurde, ermittelt die  Polizei  wegen versuchten Totschlags.

Nach dem Zweitligaspiel   wurde der 31-jährige Fußballanhänger von Unbekannten auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Olympiastadion geschlagen. Dann wickelten sie  seinen Hertha-Schal um seinen Hals, zogen den Schal  zu,  verknoteten ihn und  banden ihn an einem Geländer an. Das Opfer ließen sie  auf dem Boden sitzend zurück.

#gallery[0]
Der 31-Jährige ist behindert und lebt mit einem Down-Syndrom. „Er war nicht mehr in der Lage, sich selbst aus der Situation zu befreien“ sagte ein Polizeisprecher am Freitag. „Wegen seiner Sitzposition war die Notsituation durch die Vorübergehenden nicht ohne Weiteres erkennbar.“ Der Mann war bereits stark benommen, als er gegen 20 Uhr von Bundespolizisten auf dem Bahnsteig bemerkt wurde. Die Feuerwehr brachte ihn ins DRK-Krankenhaus Westend.

Die Ermittlungen übernahm keine Mordkommission, wie bei es versuchten Tötungsdelikten oft üblich ist, sondern das Kommissariat für Sportgewalt des  Landeskriminalamtes. Diese Fahnder  kennen sich in  der Fußballszene gut aus.

Der Bahnhof Olympiastadion ist einer der wenigen S-Bahnhöfe, die videoüberwacht sind. Nach Angaben eines S-Bahnsprechers wurden die Aufnahmen zur Tatzeit auch aufgezeichnet. Einem Ermittler zufolge werden die Bilder derzeit ausgewertet. Allerdings sei dies schwierig, unter anderem wegen der Menschenmassen, die offenbar die Täter verdeckten. Deshalb sucht die Polizei jetzt auch öffentlich nach Zeugen.   Sie will  wissen, wer am 26. September zwischen 19.45 Uhr und 20.05 Uhr am S-Bahnhof Olympiastadion etwas beobachtet hat, das mit der Tat in Verbindung stehen könnte. 

Hinweise an Tel. 030 4664 977 210. Entsprechende Fahndungsplakate verteilte die Polizei auch am Freitagabend  beim Hertha-Spiel gegen 1860 München im Olympiastadion. Bei der Fahndung  arbeitet die Berliner Polizei mit ihren Dresdner Kollegen zusammen. Denn die Ermittler halten es für möglich, dass die Tat von Dresdener Anhängern  begangen wurde, unter die sich der 31-Jährige verirrt hatte.

Die über 10.000 Fans aus Sachsen  wurden ausschließlich mit der S-Bahn abgeleitet, die   Hertha-Anhänger  mit der U-Bahn. Das Spiel Hertha gegen Dresden war  von der Bundes- und der Berliner Polizei als problematisch eingestuft worden.  Wie berichtet, kam es auch im Bereich des Stadions zu Ausschreitungen zwischen Fußballfans beider Lager, die ihrerseits auf die Polizei losgingen.

Rund 500 Berliner Polizisten mussten das Spiel sichern. Unterstützt wurden sie von  300 Bundespolizisten, darunter der Reiterstaffel. Der stellvertretende Landeschef der Gewerkschaft der Polizei,  Detlef Herrmann, kritisierte am Freitag die Fußballvereine, die die Polizei als Lückenbüßer missbrauchen würden, um  sich ihrer Verpflichtung zu entziehen, selber für die Sicherheit in den Stadien zu sorgen. „Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler immer mehr Geld für immer mehr Polizeieinsätze bei Fußballkrawallen bezahlen muss“, sagte Herrmann.