Aliah, 25, aus Afghanistan, trägt ihren Sohn Asrah auf dem Arm, der seit einigen Tagen Fieber hat. In der Nacht zum 9. September brannte das Flüchtlingslager in Moria fast vollständig ab.
Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

BerlinSeit Tagen gibt es eine erboste Debatte im Netz über einen Kommentar des Deutschlandfunks zu Moria. Die Kollegin hatte sich dagegen ausgesprochen, Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager nach Deutschland zu holen. Sie hatte dafür plädiert, dass ein neues, besseres Lager vor Ort aufgebaut wird. Man muss das nicht gut finden, man kann widersprechen. Aber in den sozialen Medien wurde sie aufs Übelste beschimpft. „Der hässlichste Kommentar zu Moria“, schrieb der Youtuber Tilo Jung. „Verrohung“, „AfD-Nähe“ wurde ihr vorgeworfen, Konsequenzen vom Deutschlandfunk gefordert. Auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) wurde quasi als Unmensch attackiert, weil er nicht sofort erklärte, alle Flüchtlinge aufnehmen zu wollen.

Deutschland muss helfen, das steht außer Frage, und Deutschland hilft auch. Aber es ist leichter, wie Ricarda Lang, die stellvertretende Vorsitzende der Grünen, die Evakuierung der gesamten Lagers zu fordern, als es dann im Detail umzusetzen. Die griechische Regierung hat gesagt, sie will keine Flüchtlinge in andere Länder reisen lassen. Setzt man sich darüber hinweg? Und ist es wirklich schlau, Menschen nach Deutschland zu holen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie in einem Asylverfahren keinen Anspruch auf Aufenthalt bekommen werden? Im Frühjahr hatte Horst Seehofer zugesagt, 243 kranke Kinder mit ihren Familien aus Griechenland nach Deutschland zu holen. Es sind längst noch nicht alle da, weil es sich um schwierige Abstimmungsprozesse handelt.

Die Flüchtlinge von Moria sind zu einem Spielball einer innenpolitischen, moralisch geführten Debatte geworden, bei der es vor allem darum geht zu zeigen, wer der beste, wer der großzügigste Mensch ist. Griechenland ist seit Neuestem zu einem beliebten Reiseziel für Innenpolitiker geworden, Armin Laschet war schon da, nach dem Feuer reiste Katrin Göring-Eckardt hin. Sie redete mit Brandopfern und ließ sich dabei fotografieren. Am Montag reist auch Innensenator Geisel nach Griechenland. Wenn sich die Innenpolitiker früher für die Zustände in dem Flüchtlingslager interessiert hätten oder die Not Griechenlands, wäre es vielleicht gar nicht zu der Katastrophe gekommen. Und warum dieser Fokus jetzt auf Moria? Es gibt noch zahlreiche andere Flüchtlingslager an den europäische Grenzen, in Bosnien, wo auch dramatische Zustände herrschen. Wer schaut da hin?