Jeder Deutsche trinkt im Schnitt 5,4 Liter Schnaps pro Jahr. Das klingt verglichen mit den über hundert Litern Bier, die die Kehlen herunterfließen, erst einmal wenig. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Klare in winzigen Glässchen über die Theke gehen, ist es schon beachtlich. Wodka liegt dabei nach dem Gin-Hype der vergangenen Jahre besonders im Kommen, allein durch die Wiederauferstehung des Cocktails Moscow Mule in den Szenekneipen. Der Onlinehändler Bottleworld hat ausgerechnet, dass sich das Wodka-Angebot in fünf Jahren mindestens verdoppelt hat.

Andererseits: War der Wodka wirklich jemals weg? Ist er doch mit seinem neutralen Geschmack seit jeher der Star aller Cocktailpartys: das ideale Mixgetränk, ein Evergreen - und zwar seit Jahrhunderten. Immerhin brannten Menschen zum ersten Mal im 14. Jahrhundert die Spirituose aus Getreide. Hitzig diskutiert ist übrigens, ob dies in Polen oder Russland geschah: Beide Länder beanspruchen die Erfindung des Wodkas für sich. Wir schauen genauer hin und beantworten alle Fragen rund um das "Wässerchen", wie Wodka (das Wort stammt aus den slawischen Sprachen) übersetzt heißt. 

Was ist Wodka? 

Klar und durchsichtig wie Wasser kommt die Spirituose daher. Tatsächlich besteht Wodka aus kaum mehr Zutaten. "Wodka ist die reinste Form des Trinkalkohols, die es gibt", sagt Fabian Dieker. Der 30-jährige ist Molekularbiologe und in der Destillerie vom Wodka-Hersteller Our/Berlin für die Pressearbeit zuständig. "Hauptsächlich besteht die Flüssigkeit aus Wasser und Ethanol, also Alkohol. Manche Hersteller geben dann noch einen eigenen Geschmacks-Twist hinzu."  

So wird Wodka hergestellt

Im Vergleich zu Whisky oder Rum, deren Geschmack die Hersteller aufwendig über Machart und Lagerung bestimmen, kreisen um die Wodka-Herstellung weniger Legenden. "Tatsächlich hat Wodka nicht die Geschmackstiefe von anderen Spirituosen", sagt Experte Dieker. "Trotzdem braucht es Zeit und Hingabe, um guten Wodka zu machen. Im ersten Schritt werden Hefekulturen zur Gärung genutzt. Als Substrat hierfür kann im Prinzip jede organische kohlenhydrathaltige Quelle dienen, heute meist Weizen oder Roggen, früher auch oft Kartoffeln. Schneidet man diesen Mikroorganismen den Sauerstoff ab, treten sie einen Stoffwechselvorgang los, der Alkohol produziert. Aus dieser alkoholhaltigen Rohflüssigkeit werden durch Destillation alle schädlichen Stoffe herausgelöst." 

So funktioniert die Destillation von Wodka

Manche Hersteller werben mit Beschreibungen wie "fünffach destilliert". "Das bedeutet, sie haben das Reinigungsverfahren des Alkohols fünfmal angewandt", erklärt Dieker. "Dabei wird die Rohflüssigkeit erhitzt. Jede chemikalische Komponente der Flüssigkeit verwandelt sich bei einer jeweils bestimmten Temperatur zu Gas. Bei leichteren Molekülen geht das schneller, bei schweren langsamer. Das aufsteigende Gas wird durch ein Rohr geleitet und heruntergekühlt, so dass es wieder flüssig wird. Auf diese Weise werden alle im Rohalkohol enthaltenen Schadstoffe, die stinken, Kopfschmerzen bereiten oder schlecht für die Verdauung sind, herausgelöst. Der mittlere Lauf ist der, den man weiterverwendet." Diesen Vorgang wiederholen Destillateure beliebig oft und mixen das Endprodukt mit Wasser, um die fertige Spirituose mit dem gewünschten Alkoholgehalt zu erhalten.  

So unterscheiden sich Wodka-Sorten in der Qualität

Eigentlich sollten bei einem Getränk, das nur aus Alkohol und Wasser besteht, keine allzu großen Unterschiede zwischen den Marken schmeckbar sein. Wer aber schon einmal nach einer langen Nacht die Nachwehen eines schlechten Wodkas ausgebadet hat, weiß, dass diese Rechnung nicht aufgeht. „Tatsächlich ist es nicht zwangsläufig die Quantität der Destillationen, die Aufschluss über die Qualität gibt. Aber das ist natürlich gut für's Marketing", sagt Dieker. Manche Firmen schmückten sich auch damit, das Destillat zu filtern, zum Beispiel über Milch oder gar Diamanten. "Entscheidend bleibt aber die Sorgfalt bei der Destillation und die Qualität der Rohstoffe. Je mehr Schadstoffe, die sogenannten Fuselöle, entfernt werden, desto reiner schmeckt der Wodka." Darüber hinaus variierten Hersteller den Alkoholgehalt. Zwischen rund 37 und etwa 66 Prozent sind möglich. "Je mehr Umdrehungen der Wodka hat, desto schärfer und brennender schmeckt er."