Irakische Militärverbände haben am Montag die womöglich entscheidende Großoffensive im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gestartet. Die Regierungstruppen und ihre Verbündeten rückten auf die nordirakische Großstadt Mossul vor, um die letzte Hochburg der Extremisten in dem Land zurückzuerobern. Es wird mit wochenlangen Kämpfen gerechnet.

Die UN und Hilfsorganisationen warnten vor einer humanitären Katastrophe. Auch im benachbarten Syrien verliert der IS an Einfluss, wenngleich sich Rakka, das Zentrum des selbst ernannten Kalifats, noch immer unter dem Einfluss der Islamisten befindet.

Nachdem die Regierungstruppen die Extremistengruppe aus Städten wie Ramadi, Falludscha und Tikrit vertrieben haben, ist Mossul die letzte große Stadt im Irak, die noch vom IS kontrolliert wird. Die Stadt am Tigris ist von großer strategischer Bedeutung, vor allem wegen der umliegenden Ölfelder und Raffinerien. Durch Mossul führen überdies wichtige Routen zur syrischen Grenze, in die Türkei sowie nach Bagdad.

Zeitplan voraus

An der Offensive sind nach irakischer Darstellung neben Armee und Polizei kurdische Peschmerga-Einheiten beteiligt, die von der Bundeswehr ausgebildet und ausgerüstet werden, nicht aber die gefürchteten schiitischen Milizen, die der irakischen Armee sonst unter die Arme greifen. Die Koalition rückte von Osten auf Mossul vor und griff vom IS kontrollierte Dörfer an. Unterstützung erhält das Bündnis von Kampfflugzeugen der US-geführten Anti-IS-Koalition.

Die USA lobten den Start der Offensive. Die irakischen Sicherheitskräfte seien ihrem Zeitplan voraus, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook, darauf deuteten erste Erkenntnisse hin. „Der erste Tag lief gut.“

Die Dschihadisten hatten Mossul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Die nun gestartete Großoffensive ist der bisher größte Militäreinsatz gegen die Dschihadisten im Irak.

Steinmeiner spricht von Wendepunkt

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hob hervor, der Einsatz sei ein „entscheidender Moment“, um der IS-Miliz eine bleibende Niederlage beizubringen. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem möglichen „Wendepunkt im Kampf gegen den IS im Irak“. Nach US-Angaben befinden sich bis zu 4500 IS-Kämpfer in Mossul.

Der Terrorismus-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, sagte der Berliner Zeitung, es wäre auf jeden Fall ein Gewinn, wenn Mossul dem IS entrissen werden könne. Lang andauernde Kämpfe seien ebenso möglich wie ein Rückzug der Terrororganisation.

Steinberg wies jedoch auch auf die negativen Auswirkungen für die Zivilbevölkerung hin. „Der Kampf gegen den IS sorgt dafür, dass die Zahl der Flüchtlinge weiter anschwillt“, betonte er. Zivilisten würden leiden. Und viele würden gewiss die Entscheidung treffen zu fliehen. „Und dann ist Deutschland nach der Türkei Ziel Nummer eins.“

Der Terrorismus-Experte erklärte außerdem: „Wir können zufrieden sein, wenn die schiitischen Milizen unter Kontrolle gehalten werden können und es nicht zu allerschwersten Menschenrechtsverletzungen kommt. Bei den humanitären Folgen werden andere gefragt sein. Auf die irakische Regierung kann man da nicht zählen. Wenn der Westen – in Gestalt der EU oder der Uno nicht helfen –, dann werden die Menschen nicht sehr viel Hilfe erhalten.“

Schließlich sei damit zu rechnen, dass der IS seine militärischen Verluste durch neue Terroranschläge zu kompensieren versuche, so Steinberg – sowohl im Irak als auch in Europa.