„Mullah muss weg!“: Zehntausende protestieren in Berlin gegen iranisches Regime

Rund 80.000 Menschen solidarisierten sich mit den Protestierenden im Iran. Sie reisten zum Teil von weit an. Was bewegte die Teilnehmer?

Im Berliner Regierungsviertel fand eine Großdemonstration gegen das iranische Regime statt.
Im Berliner Regierungsviertel fand eine Großdemonstration gegen das iranische Regime statt.Gerd Engelsmann

In Berlin haben am Sonnabend Zehntausende zur Solidaritätsbekundung mit den Protestierenden im Iran demonstriert. Initiator war das Woman* Life Freedom Kollektiv. Nach Polizeiangaben haben sich rund 80.000 Menschen an der Siegessäule versammelt, um durch das Regierungsviertel zu ziehen.

Viele kamen aus anderen europäischen Ländern, um den Menschen im Iran, die gegen das Mullah-Regime protestieren, beizustehen. So auch eine junge Frau iranischer Herkunft, die sich als Leyla vorstellt. Sie reiste aus Amsterdam an, um für „die Frauen in ihrem Land zu kämpfen“. Die Atmosphäre auf der Versammlung sei großartig, sagt sie. 

Eine andere junge Frau – Nushin – kommt aus Hamburg. Auch sie will die Frauen in ihrer Heimat Iran unterstützen. Sie hat abgeschnittene Haare auf ihr Plakat geklebt. Sie ist nicht die Einzige, die auf diese Weise ihre Solidarität mit den Iranerinnen zeigt. Auslöser für die Proteste im Iran war der Tod einer jungen Kurdin im September. Mahsa Amini war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie die strengen Vorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die 22-Jährige starb in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem. 

Demonstration laut Polizei überwiegend störungsfrei

„Die Frauen im Iran wollen ohne Hijab leben“, betont ein junges Paar aus Berlin. Bis auf etwas Pyrotechnik zu Beginn verläuft die Demonstration laut Polizei überwiegend störungsfrei. Insgesamt ist die Stimmung friedlich. Die Wut der Protestler wird allerdings deutlich. Manche skandieren: „Du – ich, du – ich, wir machen das Regime fertig!“ Andere rufen: „Mullah muss weg!“

Auch viele Männer sind hier. Hassan Dib zum Beispiel. Der Berliner stammt ursprünglich aus dem Libanon und sagt: „Unterstützung für die Menschen im Iran zu demonstrieren, ist das Mindeste, was wir tun können.“ Es sei gut, dass die Versammlung von Iranerinnen und Iranern organisiert worden sei und nicht von Deutschen.

Während der Demonstration ertönt auch ein Song des jungen Instagramers Shervin Hajipour, „baraye“. Ein Mann, der in England lebt und in Tadschikistan aufgewachsen ist und nun in Berlin demonstriert, trägt die Zeilen auf seinem Pullover. Im Iran sorgte der Song für eine Welle der Begeisterung. Mittlerweile gebe es sogar eine deutsche Version des Liedes, sagt der junge Protestierende, der erzählt, dass er viel reise, weil er einen Job habe, den er online ausführen könne.

Stundenlang strömten Menschenmassen aus allen Richtungen zur Demonstration. Unzählige iranische Flaggen bestimmen die Protest-Bilder. Vereinzelt sind auch Regenbogenflaggen zu sehen. Ein Queer-Aktivist aus Paris ist hier, weil das iranische Regime Minderheiten unterdrückt. Osman Khadeh aus Moers und seine Freunde unterstützen neben Frauenrechten auch „die Jungs, die im Iran verhaftet werden“. Khadeh sagt: „Wir wollen ihre Stimme sein.“ Die Stimme für die Unterdrückten im Iran war laut. Sogar lauter als von den Organisatoren erhofft. 50.000 Teilnehmer hatten sie erwartet. Es sind 30.000 mehr geworden, die sich in Berlin gegen das Mullah-Regime wendeten.