BerlinEiner der mutmaßlichen Einbrecher in das Grüne Gewölbe ist schon zweimal zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Aber seine Haft brauchte er nicht anzutreten.

Das am Dienstag verhaftete 23-jährige Mitglied des Remmo-Clans wurde im Februar vom Berliner Landgericht für schuldig befunden, im März 2017 zusammen mit zwei weiteren Verwandten die 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum gestohlen zu haben. Die Münze ist bis heute verschwunden. Sie wurde eingeschmolzen, vermutet die Polizei. Gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder wurde der 23-Jährige im Februar dieses Jahres zu viereinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt.

Bereits im November 2019, kurz nach seinem mutmaßlichen Einbruch im Grünen Gewölbe, hatte ihn auch das Amtsgericht Erlangen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand, dass er im Herbst 2018 in einer Erlanger Firma einbrach, die Hydraulik-Spreizer herstellt. Feuerwehren verwenden solche Werkzeuge, um eingeklemmte Unfallopfer aus Autowracks zu befreien. Und Kriminelle benutzen sie, um damit zum Beispiel Geldtransporter aufzuhebeln, wie das im Herbst 2018 bei einem solchen Überfall nahe des Berliner Alexanderplatzes geschah. Die gestohlenen Spreizer sind bis heute verschwunden. Offenbar wurde ein solches Gerät auch beim Einbruch in Dresden eingesetzt, um das Fenstergitter zu zerstören.

Nach Angaben von Wolfgang Pelzl, Sprecher des Erlanger Amtsgerichts, wurde das Urteil gegen den jungen Mann aber nicht rechtskräftig. Denn der Anwalt des 23-Jährigen legte Berufung ein. Der Fall kam vor das Landgericht Nürnberg, wo er bis zu diesem Jahr lag.

Dann kam im Februar vor dem Berliner Landgericht das Urteil gegen den 23-Jährigen wegen des Einbruchs im Bode-Museum: viereinhalb Jahre Haft. Deshalb habe das Landgericht in Nürnberg das Verfahren „aus prozessökonomischen Gründen“ eingestellt, sagt Pelzl.

Gegen das Urteil des Berliner Landgerichts legte der Anwalt des 23-Jährigen Revision ein, so dass es nicht rechtskräftig wurde. Nach Angaben von Gerichtssprecherin Lisa Jani wurde im Juli 2018 der Haftbefehl gegen ihn auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgehoben - aus Gründen der Verhältnismäßigkeit. Denn die Ermittlungen waren noch immer nicht abgeschlossen. Der junge Mann bekam Meldeauflagen, an die er sich nach Angaben der Gerichtssprecherin hielt. Bei der Verkündung des Urteils im Februar dieses Jahres habe es keinen neuen Haftbefehl gegeben, weil es keine neuen Erkenntnisse gab, die eine Fluchtgefahr begründet hätten. Am 2. September dieses Jahres zog der Verurteilte seine Revision zurück, wodurch nun das Urteil Rechtskraft erlangte. Ins Gefängnis musste er aber trotzdem noch nicht. Nach Angaben der Gerichtssprecherin hätte er in der nächsten Zeit irgendwann seine Ladung zum Haftantritt bekommen.

Seit Dienstag sitzt er nun wieder in einer Zelle. Mit der Ladung zum Haftantritt kann sich die Justiz jetzt Zeit lassen.