Paris - Der mysteriöse Attentäter von Paris ist gefasst. Ein 48 Jahre alter Mann, der zumindest früher dem linksextremen Milieu angehörte, konnte in der Nacht zum Donnerstag durch einen DNA-Abgleich als mutmaßlicher Täter identifiziert werden, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Innenminister Valls bestätigte, dass es sich bei dem Festgenommenen um Abdelhakim Dekhar handelt. Dieser war bereits in den 90er Jahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Damals hatte er ein Gewehr gekauft, das bei einem aufsehenerregenden Verbrechen zum Einsatz kam.

Bei diesem erschoss ein junges Pärchen aus der linksextremen Szene im Oktober 1994 bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd drei Polizisten und einen Taxifahrer. Zudem kam einer der Täter ums Leben. Seine Komplizin wurde 2009 nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Aktuell werden dem Festgenommenen unter anderem zwei Überfälle auf Medienhäuser und die Entführung eines Autofahrers vorgeworfen. Bei einer der Taten wurde ein Fotoassistent niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Sein Motiv für die Taten ist noch unklar. Allerdings wurde nach der Festnahme ein Brief gefunden, in dem der 48-Jährige den Medien vorwirft, die Bevölkerung zu manipulieren. Journalisten würden dafür bezahlt, den Bürgern Lügen aufzutischen, zitierte Staatsanwalt François Molins am Donnerstag bei einer Pressekonferenz aus dem Schreiben. Der Mann habe zudem in seinen wirren Äußerungen einen „faschistischen Komplott“ erwähnt.

Die Ermittler hatten den Verdächtigen am Mittwochabend nach einem Hinweis aus der Bevölkerung in einer Tiefgarage in der Pariser Vorstadt Bois-Colombes festgenommen. Er musste jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes zunächst in ein Krankenhaus gebracht werden. Als Hintergrund wurde ein Selbstmordversuch mit Medikamenten vermutet.

Hinweis des Vermieters brachte Erfolg

Nach dem mysteriösen Attentäter von Paris hatte die französische Polizei seit Montag mit einem Großaufgebot und mehreren Fotos von Überwachungskameras gefahndet. Weil dem Täter weitere Überfalle zugetraut wurden, bewachten Sicherheitskräfte den Zugang zu großen Medienhäusern in Paris. Zeugen der Überfälle hatten den Schützen als ruhig und sehr entschlossen wirkend beschrieben.

Der mutmaßliche Täter war am Montag ins Foyer der linksliberalen Zeitung „Libération“ eingedrungen und hatte dort einen 23 Jahre alten Fotoassistenten mit einem Gewehr niedergeschossen. Im Geschäftsviertel La Défense soll er anschließend vor der französischen Großbank Société Générale um sich geschossen haben. Von einem gekidnappten Autofahrer ließ er sich dann ins Zentrum von Paris bringen. Bereits am Freitag hatte der Mann beim Nachrichtensender BFMTV einen Redakteur bedroht.

Zum Fahndungserfolg führte nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP der Hinweis eines Mannes, bei dem der Attentäter zuletzt wohnte. Ihm gegenüber soll der mutmaßliche Täter gesagt haben: „Ich habe eine Dummheit gemacht.“ (dpa)