Szczecin - Nach der Ermordung des polnischen Lkw-Fahrers Lukasz Urban bei dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz hat nun auch die Staatsanwaltschaft in Szczecin (Stettin) eigene Ermittlungen aufgenommen. In einem Vorort der polnischen Stadt hat die Spedition ihren Sitz, für die Urban arbeitete. Die für organisierte Kriminalität zuständige Abteilung führe die Untersuchungen, um einen Täter der Strafe zuzuführen, der „im Ausland eine Straftat gegen einen polnischen Staatsbürger ausgeführt hat“, heißt es in einer Erklärung.

Einige der Medien in Westpommern, der Heimat-Region des getöteten Fahrers, titelten am Donnerstag mit der Feststellung, Urban sei ein Held. Sie berufen sich dabei auf Hinweise, es könne vor dem Terrorakt in der Fahrerkabine des Lkws eine Auseinandersetzung gegeben haben. Urban habe sich gewehrt, sei dabei verletzt worden und er habe ins Lenkrad gegriffen, um noch schlimmeres zu verhindern.

Sollten sich diese Informationen bestätigen, habe Urban postum eine Auszeichnung verdient und seiner Familie sollte eine Rente ausgesetzt werden, wurde beispielsweise gefordert. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auch auf eine Petition an den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck, Urban auszuzeichnen.

Spenden für die Familie

„Die Bewohner der Region verfolgen aufmerksam die Berichte aus Berlin“, schrieb der Kurier szczecinski. Ausführlich berichtet wird auch über die Initiative des britischen Lkw-Fahrers, der im Internet dazu aufgerufen hatte, Geld für die Familie Urbans zu spenden. An nur einem Tag seien 50.000 Pfund zusammengekommen, hieß es.

In den Onlineforen und sozialen Netzen in Polen findet man jedoch auch scharfe Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik und an Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Merkel gab grünes Licht an der Grenze. So konnte es dazu kommen“, heißt es beispielsweise auf Facebook. Und in einer Online-Zeitung fragt ein User zu den Flüchtlingen in Deutschland: „Wie viele kamen und wie viele sind verschwunden? Woher kann man wissen, dass seit August nicht noch viel mehr Personen aus dem Blickfeld geraten sind?“ Sarkastisch schließt er: „Merkel hat ganz Europa ein Geschenk gemacht.“