Der Union droht nach der „Ära Laschet“ der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Sie könnte eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Christdemokraten in Italien, die jahrzehntelang den politischen Kurs in Italien bestimmt haben. Nach vielen legendären Ministerpräsidenten löste sich die „Democrazia Cristiana“ im Jahr nach einem verheerenden Korruptionsskandal auf. Es ist also möglich, dass eine Partei, die scheinbar zum demokratischen Inventar eines Landes gehört, auch einmal verschwindet.

Nun haben die diversen Masken-Affären, die Amthor-Affäre und die Verstrickungen vor allem von Persönlichkeiten aus dem CSU-Umfeld in den Wirecard-Skandal zwar nicht die Dimension der damaligen italienischen Enthüllungen, die unter dem Namen „Mani pulite“ (Saubere Hände) in die Geschichte eingegangen sind.

Auftrag ohne Ausschreibung

Doch selbst Armin Laschet muss sich vorwerfen lassen, dass er die Partei unter moralischen Gesichtspunkten nicht auf einen Erneuerungskurs bringen konnte, weil er nicht verhindert hat, dass Familienmitglieder von politischen Entscheidungen profitierten, als Laschet Ministerpräsident in NRW war.

Die Firma van Laak bekam einen Auftrag ohne Ausschreibung, nachdem Laschets Sohn Joe, der für van Laak arbeitet, den Kontakt hergestellt hatte. Mag sein, dass derlei in Zeiten von Wirecard eine Petitesse ist. Doch genau solches Verhalten hat einen Nachgeschmack, wie wenn man in einen faulen Apfel beißt. So hat für viele die Union in den vergangenen Monaten geschmeckt. Auch wenn Laschets Scheitern nicht auf ihn allein zurückzuführen ist, sondern auch auf die unglaubliche Illoyalität seiner Parteifreunde: Die Union erweist sich heute als Korb mit faulem Obst, der auf dem Kompost der politischen Vergänglichkeit landen könnte.