Berlin - Würde jetzt der neue Bundestag gewählt, die heutige Opposition könnte den schwächelnden Regierungsfraktionen kaum Parlamentssitze abjagen. Die Grünen würden gegenüber 2013 nur rund drei Prozentpunkte zulegen, die Linkspartei klebt unter der 10-Prozent-Barriere. Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die Aussichten weiter getrübt: Die im Osten traditionell schwachen Grünen flogen nach ihrer ersten Legislatur im Schweriner Landtag wieder raus; die in den neuen Ländern bislang stark verwurzelte Linkspartei verlor fast ein Drittel ihrer Wähler und wird künftig sieben Sitze weniger haben als die AfD.

Die Linke

Immerhin kann sie noch hoffen: Sowohl die Landesspitze, als auch der Bundesvorsitzende Bernd Riexinger setzen auf eine Regierungsbeteiligung als Juniorpartner der SPD. Die Genossen im Nordosten hätten erklärt, dass sie unter bestimmten Bedingungen dazu bereit wären, sagte Riexinger am Montag in der ARD. „Aber der Ball liegt jetzt erstmal im Feld der SPD.“ Trotz der Verluste wolle man aber „nicht im Teich der AfD fischen“, so Riexinger. Die Linke werde nicht der Illusion erliegen, „dass wir den Protest, der von rechts kommt, in irgendeiner Form auf die Mühlen der Linken bringen können“.

Mit Äußerungen über ein mögliches Gefahrenpotenzial von Flüchtlingen hatte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht im Sommer interne Kritik auf sich gezogen.

Die Grüne

Noch düsterer ist die Lage der Grünen vor Ort: Fast halbiert hatte sich ihr Ergebnis. „In Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich unsere strukturelle Schwäche, die wir nach wie vor in Ostdeutschland haben“, räumte Bundestags-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Montag offen ein, „und es zeigt sich natürlich auch, dass die Themen, besonders der Umwelt- und Klimaschutz, nicht so angekommen sind, wie wir uns das gewünscht hätten.“

Die Grünen-Spitzenkandidatin im Nordosten, Silke Gajek, gab der Polarisierung im Wahlkampf die Schuld. So hätten viele Grünen-Wähler für die SPD gestimmt, um einen Wahlsieg der AfD zu verhindern. Zudem habe es ein wenig inhaltlichen „Ferienwahlkampf“ gegeben, in dem die Ökopartei nicht habe durchdringen können.

Grundsätzlich dürfte Göring-Eckardts Verweis auf die nie geglückte Verankerung der Grünen in Ostdeutschland aber den Kern treffen: Das „gute Wahlergebnis vom letzten Mal“ habe „sicherlich auch im Zusammenhang mit der Katastrophe in Fukushima“ gestanden, sagte sie am Montag auch.

Denn das Ergebnis von 2011 – 8,7 Prozent – war die Ausnahme. Zuvor lagen die Grünen seit 1990 nie über fünf Prozent, pendelten eher um die drei Prozent. Vor fünf Jahren befand sich die Partei bundesweit im Höhenflug, weil sie dem Zeitgeist entsprachen und vom Fukushima-Schock profitierten. Doch im Gegensatz zu Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg, der sich nach einem Rekordergebnis als Ministerpräsident bewähren konnte und sogar wiedergewählt wurde, verließ die Grünen im Osten das Glück: Ihre Themen sind nicht mehr gefragt, in der aufgeregten Flüchtlingsdebatte hatten sie keine eigenen Konzepte.