Hamburg - Der ehemalige SPD-Parteichef Martin Schulz und der ehemalige SPD-Außenminister Sigmar Gabriel haben sich laut „Spiegel“ in einem ausführlichen Gespräch versöhnt. Bei einem längeren Abendessen in einem Berliner Hotel hätten beide Anfang der Woche ihre Differenzen ausgeräumt, berichtete das Magazin am Samstag. Schulz habe zu Gabriel gesagt: „Wir haben ein Meisterstück geschafft: Wir haben aus dem populärsten den unpopulärsten Politiker gemacht und aus dem unpopulärsten den populärsten.“

Monatelange Funkstille

Die beiden Sozialdemokraten hatten nach schweren Konflikten im Bundestagswahlkampf und nach der Wahl laut „Spiegel“ monatelang nicht miteinander gesprochen. Schon im Februar allerdings hatte Schulz der „Bild“-Zeitung gesagt, er habe die Entschuldigung Gabriels wegen abfälliger Bemerkungen („der Mann mit den Haaren im Gesicht“) angenommen.

Schulz war im März 2017 als neuer Hoffnungsträger der SPD auf einem Sonderparteitag mit 100 Prozent zum Vorsitzenden gewählt worden und war im Wahlkampf Kanzlerkandidat. Nach der Einigung auf einen Koalitionsvertrag mit CDU und CSU zog Schulz sich im Februar 2018 als Parteichef zurück - seinen Wunsch, Außenminister zu werden, musste er wegen innerparteilichen Widerstands begraben. Gabriels Popularitätswerte waren in seiner Zeit als Außenminister von Anfang 2017 bis März 2018 gestiegen.

Schulz hält sich in Sachen Europawahl bedeckt

Zu einer möglichen Spitzenkandidatur für die Europawahl sagte Schulz dem „Spiegel“ nur, über Personalfragen werde in den Gremien der Partei entschieden. Er betonte aber, er kämpfe für die Inhalte des Koalitionsvertrags. „Vor allem das Europakapitel liegt mir am Herzen, ich habe es selbst verhandelt.“ Mehrere führende SPD-Politiker hatten sich kürzlich dafür stark gemacht, Schulz zum Spitzenkandidaten für die Europawahl zu machen. Für Schulz warben unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der konservative Seeheimer Kreis der SPD. Die Partei stellte daraufhin klar, dass erst Ende des Jahres über die Spitzenkandidatur entschieden werde. (afp)