Ungeachtet des Anschlags in München soll der Christopher-Street-Day am Samstag in Berlin gefeiert werden. „Die Sicherheitsmaßnahmen sind auf einem hohen Niveau“, sagte eine Polizeisprecherin. Ob das Konzept mit Blick auf die Ereignisse in Bayern verändert wurde, wollte sie nicht sagen. „Das wäre kontraproduktiv.“

Sicherheitsmaßnahmen auf hohem Niveau

Auch zur Anzahl der Polizisten machte die Sprecherin keine Angaben. Der schwul-lesbische Demonstrationszug sollte am Mittag unter dem Motto „Danke für nix“ am Kurfürstendamm starten. Am Brandenburger Tor war eine Abschlusskundgebung geplant.

Die Organisatoren rechneten mit rund 750 000 Menschen jeglicher geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung aus aller Welt, die für ihre Rechte und Forderungen einstehen wollen. „Es gibt kaum einen passenderen Zeitpunkt, für die Freiheit und Menschenrechte auf die Straße zu gehen“, betonte eine Sprecherin der Veranstalter. Man arbeite eng mit Polizei, Feuerwehr und Bezirken zusammen. „Wir vertrauen auf die Fachkenntnisse der Polizei“, so die Sprecherin.

Die Gewerkschaft der Berliner Polizei trauert um die Opfer in München.

Auch die Teilnehmer wollten sich nicht von den Attentaten in den vergangenen Wochen abhalten lassen. „An welchem Ort man sich aufhält, ist ja langsam unerheblich geworden. Öffentliche Plätze, Züge, Einkaufszentren - wenn wir jetzt all solche Orte meiden, müssen wir uns bald zuhause einsperren. Das will ich nicht“, sagte Bastian Jose (38) kurz vor dem Start der CSD-Parade. „Gerade in solchen Zeiten müssen wir Flagge zeigen“, meinte Mark Globert (43).

In München hatte ein 18 Jahre alter Deutsch-Iraner am Freitagabend neun Menschen und sich selbst erschossen. Die Ermittler gehen von einem Amoklauf aus. Der Täter hatte demnach keine Verbindungen zum IS. Er soll eine depressive Erkrankung gehabt haben.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete das Attentat als „schreckliche Tragödie“. Zugleich warnte er am Samstag vor voreiligen Spekulationen zu den Hintergründen. „Die Berlinerinnen und Berliner und der gesamte Berliner Senat sind tief betroffen über die grausamen Ereignisse, die München bis ins Mark getroffen haben“, sagte Müller. „Berlin steht an der Seite Münchens.“

Auch der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, war bestürzt: „Das Blutbad vom gestrigen Abend in München schockiert mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer, denen ich mein aufrichtiges Beileid aussprechen möchte.“ Die Route führt die Demonstranten quer durch die Berliner Innenstadt.