Hamburg - Nach der Erhöhung der Terrorwarnstufe in Genf sind dort laut einem Medienbericht zwei syrischstämmige Verdächtige festgenommen worden. In ihrem Auto seien Sprengstoffspuren gefunden worden, berichtete der öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehsender SRF am Freitag. Die Schweizer Behörden fahnden seit Mittwoch nach vier mutmaßlichen Islamisten mit Verbindungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Paris war nach „Spiegel“-Informationen zuvor ein mutmaßlicher Islamist aus Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben. Es handele sich um Hüseyin D. aus Dinslaken, berichtete das Magazin am Freitag vorab. Auf einer insgesamt 16 Personen umfassenden Liste der „vorrangigen Fahndungen“ seitens der deutschen Behörden stehe D. an letzter Stelle. Nummer eins auf der Liste ist demnach der Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, Salah Abdeslam.

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes sagte dazu auf AFP-Anfrage, zu laufenden Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen nehme die Behörde keine Stellung. Laut „Spiegel“ gehört der 42-jährige D. zur sogenannten „Lohberger Brigade“. Die Islamistengruppe aus dem Dinslakener Stadtteil Lohberg war 2013 in den Bürgerkrieg nach Syrien gezogen. Dort sollen Mitglieder dieser Gruppe engen Kontakt zum mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge in Paris, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben. Dem Bericht zufolge vermuten die Behörden D. derzeit in der Türkei. Er ist demnach im gesamten Schengen-Raum zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben.

Bei den Pariser Anschlägen am 13. November waren 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt worden. Mehrere Attentäter, die teils aus Belgien gekommen waren, hatten in Pariser Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fußballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt. Vier Tage später war in Hannover das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande wegen konkreter Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag kurzfristig abgesagt worden.

Verdächtiges Video

Nach der Spielabsage sollen Ermittler laut „Spiegel“ ein verdächtiges Video entdeckt haben, das am Abend des 17. November im Stadion aufgenommen wurde. Der etwa zehn Sekunden lange Clip zeigt demnach einen jungen Mann in der Ordnerweste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der im bereits geräumten Stadion mehrere Sätze mit einem möglichen Bezug zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gesprochen haben soll. Das Video wurde laut „Spiegel“ zwei Tage nach der Spielabsage im Internet veröffentlicht - neben einem weiteren elfsekündigen Clip, der vor dem Stadion in Hannover gefilmt wurde. Urheber soll demnach ein 19-jähriger Schüler aus Hannover sein, der für das Länderspiel von einem Vertragspartner des DFB als Ordner eingeteilt gewesen sei. Dem Bericht zufolge ließ die Bundesanwaltschaft die Wohnung des Schülers durchsuchen. Er blieb aber auf freiem Fuß.

Auf Anfrage teilte die Karlsruher Behörde laut „Spiegel“ mit, der Verdacht, der Junge sei an Planungen für einen Terroranschlag beteiligt gewesen, habe sich bislang „nicht erhärten lassen“. Die Beweismittel würden noch ausgewertet. (afp)