Köln - Ein getöteter Löwe hat am Dienstag das Internet in Aufruhr versetzt. Nachdem eine Naturschutzorganisation in Simbabwe den reichen US-Jäger Walter Palmer für den Tod des beliebten Löwen Cecil verantwortlich gemacht hat, brach ein regelrechter Shitstorm auf den Verdächtigten ein. Unter dem Hashtag #CeciltheLion machten etliche User - vornehmlich aus den USA - ihrem Ärger über die für das Tier wohl qualvolle Wilderei Luft. Auch das Stichwort Walter Palmer wurde in den Stunden nach der Nachricht zum Twitter-Trend.

Einige User fordern sogar Barack Obama zum Handeln auf. Der US-Präsident solle dem Jäger doch seinen Pass abnehmen, so dass eine Ausreise künftig unmöglich wird.

Der Beschuldigte selbst, ein Zahnarzt aus Minnesota, hat ein Statement veröffentlicht, in dem er die Tat nicht abstreitet. Dennoch habe er nicht bewusst illegal gejagt: „Anfang Juli war ich für einen Jagd-Trip in Simbabwe. Ich habe etliche professionelle Guides angeheuert und sie haben mir sämtliche Erlaubnisse erteilt. Soweit ich es beurteilen kann, war alles an dem Trip legal.“

Jagd-Tourismus in Afrika boomt derzeit

Jagd-Touren in Afrika sind derzeit bei Jägern aus aller Welt beliebt. Jährlich machen tausende Afrika-Touristen einen solchen Jagd-Urlaub. Dabei gibt es allerdings strenge Auflagen. Veranstalter organisieren individuelle Trips für Interessierte - und lassen sich das Entertainment auch gut bezahlen. Walter Palmer soll 50.000 Dollar an den Organisator der Safaris, Theo Bronkhorst, gezahlt haben, um Cecil mit Pfeil und Bogen töten zu können. Nach Angaben der Zimbabwe Conversation Task Force (ZCTF) wurde der Löwe aber erst nach einem 40-stündigen Martyrium von den beiden Jägern erschossen.

Laut „Guardian“ haben die Männer Cecil dabei bewusst mit einem toten Tier als Beute aus dem Park gelotst, um ihn auf einem angrenzenden Privatgelände zu erlegen. Damit wollte die Gruppe wohl Ärger mit den Behörden umgehen - außerhalb des Nationalparks ist die Jagd erlaubt.

Dennoch wurden zwei Personen festgenommen: Theo Bronkhorst und der Besitzer der Farm, auf dem der Kadaver gefunden wurde. Der Löwe wurde zwar legal geschossen, weil Cecil aber im Nationalpark gelebt habe, stehe er unter dem Schutz des Staates. Der Kopf und das abgezogene Fell wurden beschlagnahmt. Das Duo muss sich ab Mittwoch wegen Wilddieberei vor einem Gericht verantworten. Auch nach Walter Palmer wird nach Angaben eines Polizeisprechers gefahndet: „Wir suchen Walter Palmer im Zusammenhang mit dem gleichen Fall.“

Der gibt sich aber unbeeindruckt und schiebt die Schuld seinen Begleitern zu: „Ich hatte bis zum Ende der Jagd keine Ahnung, dass der Löwe, den ich ausgesucht habe, ein Liebling war, ein Halsband hatte und Teil einer Studie war. Ich habe mich auf das Wissen meiner lokalen Begleiter verlassen.“ Nach Angaben der simbabwischen Naturschutzorganisation haben die Jäger aber versucht, dem Löwen sein Halsband zu entfernen oder zu zerstören, sind aber daran gescheitert. Nur so konnte festgestellt werden, dass es sich bei dem getöteten Tier tatsächlich um Cecil handelt.

Inzwischen gibt sich der US-Jäger reumütig: „Ich bereue es zutiefst, dass dieser Löwe durch das Hobby, das ich liebe und verantwortlich und legal ausübe, gestorben ist.“

Nicht der erste Fall

Der Tod des Löwen Cecil ist nicht der erste Fall, in dem Walter Palmer auffällt. Immer wieder werden Bilder veröffentlicht, die den 55-Jährigen mit seinen „Trophäen“ zeigen. Bilder aus dem „Safari Connection“-Album zeigen unter anderem Palmer mit einem toten Löwen aus dem Jahr 2008. Im selben Jahr wurde er wegen einer Falschaussage im Zusammenhang mit einem getöteten Bären zu einer Haftstrafe verurteilt, nachdem das Tier außerhalb seines lizensierten Jagdbereichs getötet hatte.

2009 veröffentlichte die „New York Times“ ein Porträt des Jägers - inklusive Trophäen-Bild mit einem getöteten Elch.