Papst Franziskus warnt vor Populisten und zieht eine historische Parallele zu Deutschland in den 1930er Jahren. Donald Trump ist am Wochenende seiner Amtseinführung – was auch sonst? – mit sich selbst und seiner Großartigkeit beschäftigt, die natürlich von den bösen Medien nicht gebührend anerkannt wird. Und in Koblenz beschwören Rechtspopulisten und Fremdenfeinde aus fünf EU-Mitgliedstaaten das neue Europa.

Papst warnt vor Vorverurteilung Trumps

Der Populismus und die Populisten beherrschen die Schlagzeilen dieses Wochenendes. Ihre Exponenten versuchen, den Ton gleich für das ganze Jahr zu setzen – und weit darüber hinaus. Es wird kein Zufall sein, dass sich der Papst ausgerechnet an diesem Wochenende in einem seiner seltenen Interviews ausführlich dazu geäußert hat. Er rät, Trump nach seinen Taten zu beurteilen und nicht auf Basis seiner – gleichwohl haarsträubenden – Ankündigungen vorschnelle Urteile zu fällen. Und schreibt doch all denjenigen, die Mauern bauen und Zäune hochziehen wollen, ins Stammbuch, dass es eine schlimme Sache sei, wenn man nicht mehr mit dem Nachbarn reden wolle. Wer denkt da nicht an die geplante Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze?

Und noch etwas sagt Franziskus: „Wenn ich ein Problem mit abweichenden Meinungen hätte, läge darin der Keim zu einer Diktatur.“ Am Sonntagmorgen ist einer der ersten Tweets, den der neue US-Präsident absetzt, folgender: „Ich habe mir die Proteste gestern angesehen, hatte aber den Eindruck, dass wir doch gerade erst eine Wahl hatten! Warum sind diese Leute nicht zur Wahl gegangen?“

Trumps Gegner sollen ruhig sein

Donald Trump hat ganz offensichtlich ein Problem mit freien Meinungsäußerungen, wenn diese Meinungen sich nicht mit seinen decken. Abweichende Meinungen kann er allenfalls an der Wahlurne akzeptieren, aber wenn die Wahl vorbei ist, sollen seine Gegner ruhig sein, das ist die Botschaft.

Der Kasernenhof-Ton, mit dem Trumps Sprecher Sean Spicer am Samstag versuchte, die Medien im Weißen Haus in den Senkel zu stellen, weil sie angeblich falsche Zuschauerzahlen für die Amtseinführung des US-Präsidenten berichtet hatten, ist ein Indiz dafür, dass Populisten auch von freier Berichterstattung insgesamt wenig halten.

Medien sollen büßen

Trump sieht seine Großartigkeit von diesen Medien in Frage gestellt und dafür sollen sie büßen. Dass es für den Führer der mächtigsten Nation der Welt eigentlich andere drängende Probleme zu bearbeiten gibt, als sich nach seiner Amtseinführung ein Wochenende lang einmal mehr mit den Medien herumzustreiten, scheint ihn nicht zu stören.

Einstweilen sonnt sich Trump also in seiner eingebildeten Großartigkeit – und durch die neuen goldfarbenen Vorhänge im Oval Office strahlt ein bisschen dieses falschen Glanzes über den großen Ozean hinweg bis nach Europa. Bis nach Koblenz. Dort hatten sich am Wochenende, eingeladen von der AfD, Rechtspopulisten aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und Österreich versammelt. All die Besorgten um die jeweilige nationale Identität in Europa saugen Honig aus dem Erfolg Donald Trumps. Mit Ausnahme von Österreich stehen in diesem Jahr auch in allen diesen Ländern Wahlen an. Und ob in Frankreich, Italien, den Niederlanden oder Deutschland: Überall gibt es Wählerschichten, die in Sorge um ihre wirtschaftliche Zukunft empfänglich sind für die vergifteten Parolen von der angeblichen Überfremdung durch Zuwanderer, von der Islamisierung Europas.

Womöglich werden also die kommenden ersten Monate der neuen US-Regierung ein interessantes Lehrstück, welche schlimmen Folgen Trumps „Amerika zuerst“-Politik haben wird. Und wie schwierig es wird, Europa zusammenzuhalten, wenn auf diesem Kontinent plötzlich ganz viele Länder „Wir zuerst“ rufen.