Der Angriff US-amerikanischer Kampfflugzeuge auf ein Krankenhaus im afghanischen Kundus, bei dem mindestens 22 Zivilisten starben, sorgt weltweit für Entsetzen. US-Präsident Barack Obama bedauerte den „tragischen Zwischenfall“ und sprach den Überlebenden und den Angehörigen der Opfer sein „tiefstes Beileid“ aus. Er kündigte eine umfassende Untersuchung an.

Zwölf der Getöteten waren Ärzte und Mitarbeiter der unabhängigen internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die das Krankenhaus betreibt. Nach dem Angriff seien auch die letzten verbliebenen Mitarbeiter abgezogen worden, sagte eine Sprecherin der deutschen Sektion der Berliner Zeitung. Dem Bundesentwicklungsministerium zufolge befinden sich zurzeit keine Mitarbeiter deutscher Entwicklungsprogramme mehr in Kundus.

Sie seien aber im rund 150 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif, wo auch die Bundeswehr einen Stützpunkt mit 750 Soldaten unterhält. Nach Einschätzung von Rupert Neudeck, dem Vorsitzenden der Hilfsorganisation Grünhelme, befinden sich zur Zeit noch insgesamt weniger als 300 deutsche Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Afghanistan.

Untersuchung des Vorfalls von Ban Ki Moon gefordert

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine sofortige umfassende und unvoreingenommene Untersuchung des Vorfalls. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drückte seine Bestürzung aus. Der Sprecher des Bündnisses in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte, US-Streitkräfte hätten zur fraglichen Zeit einen Luftangriff nahe der Klinik durchgeführt. Dort hätten einzelne Personen die Truppen bedroht. Seit dem überraschenden Taliban-Angriff auf die Stadt im Norden des Landes am Montag versuchen Regierungstruppen mithilfe der Nato, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

Das afghanische Verteidigungsministerium behauptete, zehn bis 15 „Terroristen“ hätten das Klinikgelände betreten und „die Gebäude und Menschen im Inneren als Schutzschild“ benutzt. Ärzte ohne Grenzen bestritt das. Ein Sprecher der Taliban sagte, zum Zeitpunkt des Angriffs sei keiner ihrer Kämpfer „ein Patient der Klinik gewesen“.

Alle beteiligten Konfliktparteien seien seit Langem über die genaue Lage und die geografischen Koordinaten der Klinik mehrfach informiert worden, teilte Ärzte ohne Grenzen mit. Nach Angaben der Organisation ging der Angriff des US-Militärs noch etwa eine halbe Stunde weiter, nachdem die Verantwortlichen in Kabul und Washington in Kenntnis gesetzt worden seien, dass ein Krankenhaus attackiert wurde. (mit dpa)