Die Flughafengesellschaft (FBB) war möglicherweise wesentlich großzügiger mit ihren Zahlungen an Auftragnehmer auf der BER-Baustelle, als bislang bekannt. Laut einem Bericht der Bild am Sonntag ermittelt die Anti-Korruptionsbeauftragte des Unternehmens gegen leitende Mitarbeiter wegen Betrugsverdachts.

Sie sollen vor der geplanten Eröffnung des Hauptstadtflughafens im Jahr 2012 Nachtragszahlungen in Millionenhöhe an Konzerne wie Bosch und die Telekom gewährt haben. Dabei seien die Forderungen der Unternehmen bis zu einer Höhe von 99 Prozent gewährt worden. Dies ist bei großen Bauprojekten unüblich.

Flughafensprecher Ralf Kunkel kommentierte den Bericht am Sonntag wegen des laufenden Verfahrens nicht. Er wies aber darauf hin, dass für die jeweiligen Aufträge noch keine Schlussrechnungen vorlägen. Sämtliche Abschlags- und Nachtragszahlungen würden nochmals geprüft, erklärte er. Es könne ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen zu viel Geld erhalten.

Auch Siemens soll profitiert haben

Nachtragszahlungen sind am Bau üblich, wenn die tatsächlich ausgeführten Arbeiten umfangreicher sind als vereinbart. Allerdings wird darüber üblicherweise hart verhandelt zwischen dem Auftraggeber und dem jeweiligen Bauunternehmen. Dass diese Verhandlungen am Flughafen mitunter zum Vorteil der Auftragnehmer verkürzt wurden, ist bereits bekannt.

Die inzwischen insolvente Gebäudetechnik-Firma Imtech soll 2012 gar Schmiergeld für die Bewilligung eines Nachtrags gezahlt haben, um auf diese Weise Zahlungsengpässe zu überbrücken. Der Vorgang passierte seinerzeit ohne größere Kontroversen den Aufsichtsrat. Maxime sei damals gewesen, so berichtete der damalige Flughafenchef Horst Amann im BER-Untersuchungsausschuss, möglichst viele Unternehmen auf der Baustelle zu beschäftigen.

Die jetzt bekannt gewordenen Verdachtsfälle sind auch deshalb pikant, weil zu den Unternehmen, die von der großzügigen Handhabung profitierten, auch die Firma Siemens gehören soll. Regionalchef für Ostdeutschland war seinerzeit der heutige BER-Technikchef Jörg Marks. Die Opposition im Abgeordnetenhaus hatte seine Einstellung im Sommer 2014 wegen möglicher Interessenkonflikte kritisiert.