Nachwuchsprobleme im Strafvollzug: „Aggressiver werben“

Knapp 3500 Menschen befinden sich derzeit in den Berliner Gefängnisse. Wie auch außerhalb der Mauern treibt das Thema Energieversorgung die Verantwortlichen ...

Lena Kreck, Senatorin für Justiz.
Lena Kreck, Senatorin für Justiz.Lena Lachnit/dpa

Berlin-Die Energieversorgung und fehlender Nachwuchs gehören zu den beherrschenden Themen des Berliner Strafvollzug. „Wir müssen noch aggressiver werben“, sagte Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) am Mittwoch. Derzeit seien 100 von insgesamt knapp 1800 Stellen im allgemeinen Vollzugsdienst unbesetzt, zudem habe es zu wenige Bewerbungen gegeben. Erstmals hätten deshalb nicht alle geplanten Ausbildungslehrgänge stattgefunden, von den 168 Ausbildungsplätzen seien nur 78 besetzt. Die Tätigkeit im Gefängnis sei „extrem anspruchsvoll“, räumte Kreck ein. Sie sei aber auch „extrem abwechslungsreich“.

Ein Problem sei, dass die Arbeit im Vollzug für die Gesellschaft eher unsichtbar und mit negativen Emotionen verbunden sei, sagte Abteilungsleiterin Susanne Gerlach, die in Berlin für den Justizvollzug zuständig ist. Mit diversen Schritten will die Verwaltung das Interesse wecken: Befristet auf ein Jahr werden Tarifbeschäftigte eingestellt. Sie sollen so die Chance bekommen, die Tätigkeit kennenzulernen - um sich bestenfalls für die zweijährige Ausbildung zu entscheiden. Das Mindestalter für Bewerberinnen und Bewerber wurde von 21 auf 18 Jahre heruntergesetzt. Damit folge Berlin dem Beispiel fast aller anderen Bundesländer, so Gerlach.

Angesichts der allgemein angespannten Personalsituation seien jedoch attraktive Bedingungen wichtig, um die Menschen zu halten, betonte Senatorin Kreck. „Wir müssen als Senatsverwaltung ganz massiv dafür sorgen, dass sie langfristig gesund bei uns tätig sein können.“

Die angespannte Energieversorgung stellt eine weitere Herausforderung für den Strafvollzug dar. Die Stromversorgung in den Berliner Gefängnissen ist jedoch laut Justiz im Fall eines großflächigen Energieausfalls gesichert. Alle Anstalten verfügten über Notstromaggregate, die die jeweilige Vollzugsanstalt in der Regel über eine Dauer von 100 Stunden versorgen könnten, sagte Kreck. Die JVA Heidering liegt mit etwa 40 Stunden jedoch darunter.

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee habe es im November einen sogenannten Stresstest gegeben, im Gefängnis Tegel vor wenigen Tagen. Es sei jeweils nicht zum Ausfall von sicherheitsrelevanter Technik gekommen, hieß es. Entsprechende Tests soll es in allen Berliner Gefängnissen geben. Zudem wurden nach Justizangaben Lebensmittel- und Medikamentenvorräte angeschafft.

An die Insassen sei im Rahmen einer Informationskampagne appelliert worden, Strom zu sparen, hieß es. Anders als in Verwaltungsgebäuden der Justiz könne man bei den Gefangenen aber die Temperatur in den Hafträumen nicht generell heruntersetzen, betonte Senatorin Kreck. 

Derzeit sitzen nach Angaben der Senatsjustizverwaltung (Stand: 23.11.) knapp 3500 Menschen in den sieben Haftanstalten des Landes ein. Davon befinden sich 750 in Untersuchungshaft, 57 Menschen sind in Sicherungsverwahrung.