Berlin - Die Bundeswehr ist mit einem neuen Skandal um sexuelle Belästigung von Truppenangehörigen konfrontiert. Wie das Verteidigungsministerium dem zuständigen Bundestagsausschuss mitteilte, geht es um einen Obergefreiten, der bis zum Herbst 2016 über zehn Monaten hinweg in einer Gebirgsjäger-Einheit in Bad Reichenhall „durch Mannschaftssoldaten und vereinzelte Vorgesetzte (Ausbilder) seines Zuges mehrfach diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell und belästigt und genötigt“ worden ist.

Das Schreiben des Ministeriums stammt vom Parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel (CDU). Es datiert vom vergangenen Montag und liegt dieser Zeitung vor. Erst Ende Januar war bekannt geworden, dass es im baden-württembergischen Pfullendorf über Jahre hinweg sadistische Praktiken bei der Sanitäter-Ausbildung geben hatte.

Der Betroffene bat darum, nicht in seine Stammeinheit zurück zu müssen

Im neuen Fall wandte sich der betroffene Obergefreite nach Angaben des Ministeriums Anfang Oktober 2016 an den Wehrbeauftragten des Bundestags. Zu diesem Zeitpunkt war der Soldat bereits seit einigen Wochen nicht mehr im bayerischen Bad Reichenhall tätig, sondern bei einem Lufttransportgeschwader im niedersächsischen Wunstorf. Er bat ehedem darum, nicht in seine Stammeinheit zurück versetzt zu werden.

Die internen Ermittlungen in diesem Fall laufen nach Ministeriumsangaben noch. Sie richten sich den Angaben zufolge gegen 14 Beschuldigte, davon zwei Feldwebel, zwei Unteroffiziere und 10 Mannschaftssoldaten. „Der damalige Teileinheitsführer wurde Mitte Dezember 2016 aus seiner Funktion herausgelöst“, schreibt Staatssekretär Grübel. Weiter heißt es: „Diese Vorfälle sind – im Gegensatz zu den Vorkommnissen beim Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf – einer Teileinheit zuzuordnen.“

„Die sexuellen Übergriffe offenbaren ein systematisches Problem bei der Bundeswehr“

Auch die zivile Justiz ist inzwischen mit dem Fall befasst: Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nach eigenen Angaben gegen mehrere Gebirgsjäger wegen sexueller Belästigung, Volksverhetzung und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.