Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg möchte gerne Chef der norwegischen Zentralbank werden. Er sei von der Regierung ermutigt worden, sich zu bewerben, und er sei motiviert für den Job, sagte Stoltenberg vergangene Woche. Das Hauptproblem, dem sich Stoltenberg gegenübersieht, ist nicht der Wechsel von der Spitze des weltgrößten Militärbündnisses in die Führungsetage einer Notenbank. Seine Konkurrentin, die stellvertretende Gouverneurin der Norges Bank, Ida Wolden Bache, könnte trotz des großen Namens des Nato-Chefs die besseren Karten haben, weil sie als unabhängig von der Politik gilt. Stoltenberg dagegen ist ein enger Freund von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, der bereits erklärt hat, er werde angesichts ihrer Freundschaft nicht am Auswahlverfahren teilnehmen. Doch auch mit dem amtierenden Finanzminister ist der Nato-Chef eng verbunden: Trygve Slagsvold Vedum von der Zentrumspartei war Landwirtschaftsminister im letzten Kabinett Stoltenbergs.

Die Unabhängigkeit ist für Norwegen ein wichtiger Faktor bei der Besetzung der Position des Zentralbank-Chefs: Zwar folgt die Bank in der Zinspolitik seit Jahren in der Regel der Strategie der EZB und ist über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eng mit allen Notenbanken verbunden. Doch die norwegische Notenbank bestimmt auch die Investments des mächtigen norwegischen Staatsfonds, der mit einem Vermögen von 1,4 Billionen US-Dollar der größte Staatsfonds der Welt ist. Die Investments in den Fonds haben Auswirkungen nicht nur für das Erdöl produzierende Norwegen und seine Rentenzahlungen. Der Fonds setzt oft auch die Standards für globale Investmententscheidungen.

Diese Entscheidungen richtig treffen zu können, wird Stoltenberg nicht abgesprochen: Der ausgebildete Ökonom und ehemalige Chef der norwegischen Sozialdemokraten, war viele Jahre norwegischer Premierminister, bevor er Nato-Chef wurde. Stoltenbergs Partei regiert derzeit Norwegen in Koalition mit der agrarischen Zentrumspartei. Doch sein politisches Wirken stößt auf Widerstand: „Wir haben keine Tradition, dass Politiker diese Position einnehmen“, sagte Sveinung Rotevatn, stellvertretender Vorsitzender der oppositionellen Liberalen, kürzlich dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK.