Brüssel - Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schließt nach dem Aus für den INF-Abrüstungsvertrag ein neues Wettrüsten nicht aus. „Wir wollen keinen neuen Rüstungswettlauf“, sagte Stoltenberg am Freitag in Brüssel. Dafür müsse Russland aber sein Verhalten ändern.

Russlands jüngsten Vorschlag für ein Moratorium zur Raketenstationierung lehnte Stoltenberg als „Angebot ohne jede Glaubwürdigkeit“ ab. Es gebe in Europa keine neuen Marschflugkörper der USA oder der Nato, dafür aber mehr und mehr russische, sagte er.

Wenn Russland wirklich keine Mittelstreckenwaffen in Europa wolle, sollte es erst einmal damit aufhören, selbst welche zu stationieren, ergänzte Stoltenberg. Zudem könnte Russland die bereits vorhandenen Systeme zerstören.

USA kündigten den Vertrag im Feburar

Die USA und Russland hatten kurz zuvor offiziell das Ende des INF-Vertrags über den Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen erklärt. Die USA hatten das Abkommen Anfang Februar zum 2. August gekündigt, weil sie davon ausgehen, dass Russland das Abkommen seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzt.

Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können.

Russland gibt die maximale Reichweite der SSC-8 hingegen mit 480 Kilometern an. Das wäre vertragskonform, da das Abkommen lediglich den Besitz landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern untersagte. (dpa)