Kopenhagen - Sie sei erleichtert, sagte Königin Silvia vor einem Jahr in einer auf der Website des schwedischen Königshauses veröffentlichten Videobotschaft. Da schien eine von ihr in Auftrag gegebene Untersuchung ihren Vater vom Vorwurf zu entlasten, sich in Nazi-Deutschland auf Kosten eines verfolgten Juden bereichert zu haben. Sie habe bei Studien in brasilianischen und deutschen Archiven eine „ganz andere Wahrheit“ entdeckt, so die Königin.

Doch nun bekrittelt ein neues Buch die Version Silvias über die Nazi-Vergangenheit von Walther Sommerlath als Schönfärberei. Ihr selbst wirft der Autor, der Journalist Johan Åsard, vor, wichtiges Wissen verschwiegen zu haben. So habe sie stets betont, wie ahnungslos sie über ihre Familiengeschichte gewesen sei, und zum Beispiel auch behauptet, dass die Eltern „nie mit uns über diese Zeit“ sprachen. Doch in dem Buch „Das Geheimnis der Königin“ berichtet Åsard, dass eine jüdische Frau schon Mitte der Achtzigerjahre Silvia darüber informierte, dass Sommerlaths Fabrik in Berlin „arisiertes“ Eigentum eines Juden gewesen sei.

In dem 2012 veröffentlichten Untersuchungsbericht, der von dem bestens beleumundeten Direktor des schwedischen Nationalarchivs, Erik Norberg, verfasst wurde, hieß es noch, dass die Übernahme ein „Tauschgeschäft“ gewesen sei; genau das habe, so wurde überdies nahe gelegt, dem jüdischen Fabrikeigner Efim Wechsler das Leben gerettet. Demnach erwarb Sommerlath, der von 1925 bis 1938 in Brasilien lebte, aber schon 1934 der NSDAP beigetreten war, die Fabrik im Jahre 1939. Im Gegenzug soll er Wechsler eine Kaffeeplantage und drei Grundstücke überlassen und ihm die Flucht aus Deutschland ermöglicht haben. „Er war ein korrekter und guter Mann, dem es mit Risiko für sein Leben gelang, Wechsler zu retten“, schrieb daraufhin die Königin.

Åsard, der als Redakteur der kritischen TV-Sendung „Kalla Fakta“ (Kalte Fakten) der Erste war, der Sommerlaths Rolle im Nazi-Reich aufdeckte, widerspricht nun anhand neuer Dokumente dieser Darstellung. „Norberg übersieht, dass Wechsler nur ein Fünftel des Werts bekam“, denn die Fabrik sei zumindest 50000 Reichsmark wert gewesen, Sommerlath aber habe nicht 25000 Mark bezahlt, wie der Archivar behauptete, sondern nur 10000. Außerdem habe Sommerlath Wechsler nicht zur Flucht verholfen. Schon zwei Monate vor dem Verkauf habe dieser ein Visum nach Brasilien erhalten. Silvias Vater habe die Fabrik zu einem Spottpreis erworben und dabei Wechslers Not ausgenützt, folgert Åsard.

Überdies wirft der Journalist Silvia vor, unlautere Lobbyarbeit betrieben zu haben, um ihren Vater reinzuwaschen: Sie habe sich an Dutzende Wirtschaftsgrößen in Brasilien und Schweden gewandt, um ihr Bild der Geschehnisse zu verbreiten. Der „Machtmensch“ Silvia habe die einzigartigen Kontakte des Königshauses und die Hilfsbereitschaft einflussreicher Personen für ihre Zwecke ausgenützt, kritisierte daraufhin der sonst monarchiefreundliche Historiker Henrik Arnstad.

„Ich habe nur getan, was alle Kinder für ihre Eltern tun würden: für sie einzutreten, wenn sie sich nicht mehr verteidigen können“, sagte Silvia nun zu Roger Lundgren, dem Autor eines weiteren Buches, das im Dezember anlässlich ihres 70. Geburtstags erscheinen soll. Der Sendung „Kalla Fakta“ warf sie überdies „Rufmord“ an ihrem Vater vor. Vom schwedischen Hof gibt es zu Ågards Buch und den darin enthaltenen Informationen vorerst keine Stellungnahme. „Das Buch ist noch nicht auf dem Markt, und wir müssen es erst lesen, ehe wir es kommentieren können“, sagte Informationschef Bertil Ternert.