Berlin - Reue, Bedauern, Scham. Die Bereitschaft der jungen Berliner CDU-Politiker, ihre politische und moralische Geschmacklosigkeit einzugestehen, die sie vor mehr als zehn Jahren in einer mittelschwer alkoholisierten Runde offenbart hatten, ist umfassend und demütig. Auf einer Reise der Berliner Schüler-Union in die lettische Hauptstadt Riga hatten sich unter anderen die drei Berliner Nachwuchspolitiker Lukas Krieger, Danny Freymark und Christoph Brzezinski dazu hinreißen lassen, dem Hakenkreuz grölend als Ehrennadel der Schüler-Union zu huldigen.

Es fällt schwer, das als Ausdruck übermütiger Jugendlichkeit in Schutz zu nehmen, zumal die Bevölkerung des baltischen Rigas schwer unter den Verbrechen des NS-Regimes zu leiden hatte. Aus der nun mittels eines nachträglich bekannt gemachten Videos erneut zum Fall  gewordenen Szene spricht auch ein Gesinnungsproblem der jungen CDUler, das  nicht nur als Einzelfall zu verharmlosen ist. Die Affäre um den hessischen Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der wegen einer als antisemitisch kritisierten Rede  2003 aus der CDU ausgeschlossen worden war, hatte gerade auch die jungen Rechtskonservativen in der Union aufgewühlt. Diese Stimmung scheint auch die Reisegruppe in Riga noch beseelt zu haben.

Haben die jungen Politiker dennoch eine zweite Chance verdient, wie der Berliner Innensenator und CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel nun fordert? Ja, haben sie. Allerdings unter der Bewährungsauflage, dass sie nun mit dem Makel nachgewiesener  Dummheit ihren Ambitionen nachgehen müssen.  In einer politisch aufgeladenen Atmosphäre, in der rechtsradikale Haltungen wieder als legitime Meinungsäußerungen reüssieren, wird es  auf das gesellschaftliche Vermögen ankommen, auch im Skandal noch Augenmaß und politische Klugheit zur Geltung kommen zu lassen.