Berlin - Die Schusseligkeiten häufen sich, und das macht dann doch ein bisschen misstrauisch. Nachdem erst der Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock und danach ihrem Parteifreund Cem Özdemir sehr spät aufgefallen war, dass sie da ein paar Sonderzahlungen der Partei nicht ordnungsgemäß angegeben hatten, meldete sich am späten Pfingstsonntagabend der SPD-Politiker Karl Lauterbach. Per Twitter gab er bekannt: Er hätte die Honorare für vier Vorträge in den Jahren 2018 und 2019 nicht gemeldet – insgesamt 17.850 Euro.

Das sollte nicht passieren. Vor allem, wenn man – wie im Falle der Grünen – gerade in den letzten Wochen und Monaten geradezu unerbittlich auf die Union und deren korrupte Maskendeals verwiesen hat. Natürlich sind die Geschäfte von Georg Nüßlein, Nikolas Löbel und Mark Hauptmann ein ganz anderes Kaliber als die Tatsache, dass man Sonderzahlungen der eigenen Partei zwar vermutlich doch ordentlich versteuert, aber eben nicht bei der Bundestagsverwaltung angegeben hat. Doch es kratzt am Image und das zu Recht.

Die Grünen haben sich in Sachen Transparenz, in Lobbyfragen und auch bei der Frage der Nebentätigkeiten in den vergangenen Monaten ein regelrechtes Saubermann-Image erarbeitet. Da dürfen einer Spitzenkandidatin solche Nachlässigkeiten nicht passieren. Vor allem aber darf die Partei diese Fehler, wenn sie denn öffentlich werden, nicht auch noch herunterspielen. Klüger wäre es, auch mal ein paar (selbst)kritische Worte fallen zu lassen.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hat seinen Fehler besser gemanagt. Er hat ihn selbst öffentlich zugegeben und als das eingeordnet, was er ist – ein Riesenfehler nämlich - und die Summe dann an Unicef gespendet. Die Corona-Hilfe Indien profitiert jetzt davon, dass er nicht nur ein allzeit präsenter Gesundheitspolitiker, sondern auch ein ziemlich teurer Vortragsredner ist.