Berlin - In den vom Berliner Verfassungsschutz geschredderten Neonazi-Akten findet sich kein Bezug zur Terrorgruppe NSU. So steht es in dem Bericht, den Innensenator Frank Henkel (CDU) heute dem Verfassungsschutz-Ausschuss vorlegen will. Wie schön. Henkel hofft, dass er nun die unappetitliche Affäre (für die er nicht verantwortlich ist, weil ihre Grundlagen vor seiner Amtszeit gelegt wurden) los wird.

Doch es bleiben Fragen. Viele Fragen. Zwar hatten die in den Akten aufgeführten Angehörigen der Neonazi-Musikszene offenbar nichts mit dem NSU-Trio Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe zu tun. Außerdem stammen die meisten von ihnen ohnehin nicht aus Berlin. Doch wie nah waren diese Leute tatsächlich am NSU dran, nicht nur an dem berühmten Terror-Trio sondern an dessen Unterstützern und Komplizen? Reicht es, den NSU auf zwei Männer und eine Frau zu reduzieren? Zudem tauchen einige auf der vom Bundesanwalt geführten Liste mit 41 Personen auf, die für das NSU-Verfahren in irgendeiner Weise relevant sind und sei es nur, dass sie auf einem Konzert waren, wo auch Beate Zschäpe war.

In NSU-Fall wurde genug geschlampt und vertuscht. Es ist gut, dass der amtierende Verfassungsschutzchef es hinbekommen hat, anhand von Kopien anderer Bundesländer, die dasselbe Aktenzeichen trugen, wenigstens einen Teil der Akten zu retten. Dieser kleine Erfolg in Sachen Aufklärung sollte jetzt nicht verspielt werden, indem man den Abgeordneten die rekonstruierten Akten vorenthält und sie nur mit einem zweieinhalb Seiten langen Bericht abspeist.