Neue Hinweise auf Kontakte des Terrortrios aus Zwickau zu Mitgliedern der rechten Szene gibt es im sächsischen Erzgebirge. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau rückt dabei eine um die Jahrtausendwende in der Region zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt gegründete Neonazigruppe namens „Brigade Ost“ ins Visier der Fahnder. Angeblich sechs ehemalige Mitstreiter der Gruppe könnten zum Unterstützerkreis der mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt gehören.

Neonazigruppe "Brigade Ost"

Angehörigen der „Brigade Ost“ waren zwischen 2000 und 2005 wiederholt Übergriffe auf Linke und das Tragen von Nazisymbolen vorgeworfen worden. Schwerpunkt ihrer Aktivitäten war seinerzeit auch Johanngeorgenstadt. Einer der früheren Protagonisten der Gruppe, der 1979 geborene André E., hielt vermutlich bis vor kurzem Kontakt zu den drei Untergetauchten. So fanden sich in den Trümmern der Zwickauer Wohnung Bahncards auf die Namen von André E. und seiner Frau Susann, die von Zschäpe und Böhnhardt benutzt wurden. Bezahlt wurden diese Karten von E.s Konto. Außerdem konnten die Ermittler Flyer von André E.s Firma Aemedig sicherstellen, die auf die digitale Aufbereitung von Filmen und Videos spezialisiert ist.

Dieser Flyer ist bislang aber nicht mehr als ein Indiz für die Vermutung, E. habe der Zwickauer Zelle bei der Produktion des sogenannten Bekennervideos Hilfe geleistet. Dennoch werden André E., der in Zwickau neben der Videofirma auch einen Versandhandel für Szene-T-Shirts betreibt, sowie seine Frau Susann von der Bundesanwaltschaft inzwischen als Beschuldigte geführt.

Auch einer der mutmaßlichen Anführer der früheren „Brigade Ost“, Matthias Dienelt, gilt als möglicher Helfer des Trios. Dienelt hatte einem der FR vorliegenden Mietvertrag zufolge am 1. Mai 2001 eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße 2 angemietet. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich zumindest Beate Zschäpe – die sich später Susann Dienelt nannte – seinerzeit in dieser Wohnung versteckte. Damals wurde nach ihr sowie Mundlos und Böhnhardt noch wegen der 1998 in Jena ausgehobenen Bombenwerkstatt mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Die Suche wurde 2003 eingestellt.

Matthias Dienelt ist übrigens nicht identisch mit dem fast namensgleichen Matthias D., der 2008 die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße an das mutmaßliche Terrortrio vermietet hatte. D., der nicht der rechten Szene angehört, hatte laut Bild am Sonntag nach eigenen Angaben 2008 eine kurze Beziehung mit Zschäpe und ihr aus Gefälligkeit die Wohnung untervermietet. Die Miete, so sagt er, habe sie ihm stets bar übergeben.

Hinweise auf 20 Helfer

Doch trotz dieser neuen Spuren sind die Behörden noch weit von einem Durchbruch in den Ermittlungen entfernt, heißt es aus Ermittlerkreisen. 20 Personen sollen dem fast 14 Jahre im Untergrund lebenden Trio geholfen haben. Auf die Zahl 20 war der Thüringer Verfassungsschutz nach einer Auswertung vorliegender Erkenntnisse über die Verbindungen von Neonazis des Freistaats gekommen.

Im Mittelpunkt stand dabei der harte Kern der „Kameradschaft Jena“, der in den neunziger Jahren neben Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auch Holger G. angehörte. G. sitzt als einziger mutmaßlicher Unterstützer des Trios bislang in Haft. Er hat laut Nachrichtenmagazin Der Spiegel bei der Bundesanwaltschaft ausgesagt, 2004 aus der rechten Szene ausgestiegen zu sein. Danach erst hätten sich Böhnhardt und Mundlos bei ihm gemeldet. Die beiden hätten sich ebenfalls als Aussteiger bezeichnet und Holger G. um Hilfe gebeten. Er habe den beiden seinen Führerschein gegeben, später auch noch seinen Reisepass.

Mit dem Führerschein haben die beiden Männer 2007 möglicherweise das Wohnmobil angemietet, mit dem sie angeblich in Heilbronn unterwegs waren, als sie die Polizistin Michèle Kiesewetter getötet haben sollen. Bislang hieß es, G. habe für das Trio seinerzeit das Fahrzeug besorgt – einen Beleg dafür gibt es aber nicht.